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Das LVR-Freilichtmuseum trägt mit der Planung und Errichtung einer neuen Baugruppe den gravierenden gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen des 20. Jahrhunderts Rechnung, die den Besuchern anhand von Originalgebäuden und ihrer originalen Einrichtung präsentiert werden.
Das 20. Jahrhundert bringt nicht nur gravierende Veränderungen in der städtebaulichen Entwicklung. Auch die Bauweisen, die bis in das 19. Jahrhundert noch regional ausgerichtet waren und so das Orts- und Landschaftsbild maßgeblich prägten – wie in den vier regionalen Baugruppen des Museums zu sehen ist – ändern sich nun grundlegend.
Die neue Baugruppe wird sich dabei der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmen und somit zeitlich an die Dauerausstellung „WirRheinländer" anknüpfen.
Mit dem „Marktplatz Rheinland" wird im LVR-Freilichtmuseum Kommern somit ein weiterer großer Baustein des kulturgeschichtlichen Bogens entstehen, der sich dann vom 15. Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit ziehen wird.
Seit einigen Wochen laufen die Vorbereitungen für die Translozierung eines historischen Gebäudes für den neuen „Marktplatz Rheinland" im LVR-Freilichtmuseum Kommern. Aktuell arbeiten die Handwerker des Freilichtmuseums auf der Baustelle in Duisburg. Mitte Juli 2009 soll das dortige Behelfsheim aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs nach Kommern transportiert werden.Behelfsheime wurden bereits zu Kriegszeiten errichtet, um den ausgebombten Familien im Rheinland ein neues Dach über dem Kopf zu geben.
Bauherren der Behelfsheime waren in der Regel die Kommunen. In diesem Fall baute die Stadt Duisburg acht Doppelbaracken für 16 Familien. Die Behelfsheime wurden in der Regel als Fertigbauten errichtet, d.h. alle Wand- und Deckenteile waren fabrikmäßig vorgefertigt und mussten auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden.
Das Behelfsheim aus Duisburg wird in der neuen Baugruppe zusammen mit einer Nissenhütte das Leben im Rheinland der unmittelbaren Nachkriegszeit präsentieren und somit im ältesten Zeitschnitt der gesamten Baugruppe gezeigt.
Nach der Gründung des Museums 1958 machte sich das Museumsteam an den Abbau und den Wiederaufbau verschiedenster Häuser aus dem Rheinland. Das erste Haus, das im Museum am 20. Juni 1959 Richtfest feiern konnte, war das Haus aus Scheuerheck. Sein 50jähriger Geburtstag war Grund genug sich die Geschichte des Hauses noch einmal genauer anzusehen. Ein Student der Unisversität Bonn beschäftigt sich in seiner Bachelorarbeit mit diesem Thema.
Beim Jubiläumsfest im Jahre 2008 sprach eine Besucherin einen Museumsmitarbeiter an, der gerade vor dem Haus aus Bodenbach stand und erklärte ihm, in diesem Haus geboren worden zu sein. Natürlich nahm das Museum die Chance wahr, um mehr über das 1958 überführte Bauwerk zu erfahren. Damals waren das Haus und die Bauweise wichtiger und weniger die Bewohner selbst. Heute steht der Mensch im Mittelpunkt unseres Interesses. Daher wird an einer Informationseinheit über die letzte im Haus aus Bodenbach lebende Familie gearbeitet.
