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Das LVR-Freilichtmuseum Kommern bietet Jugendlichen zwei Einsatzstellen für das Freiwillige ökologische Jahr an. Emma und Florian haben 2010 ihr FöJ im Freilichtmuseum verbracht. Wo sie eingesetzt wurden, und was ihre Arbeit war, beschreiben sie im folgenden Bericht:
Das LVR-Freilichtmuseum Kommern präsentiert auf ca. 95 ha das Leben des 15. bis 19. Jahrhunderts im Rheinland. 65 historische Gebäude, darunter Bauernhöfe, Wohnhäuser, Backstuben und eine Schmiede, eingebettet in eine Landschaft aus Äckern, Gemüsegärten und Obstwiesen, zeigen in vier kleinen Dörfern das bäuerliche Landleben unserer Ahnen. Nutztiere wie Rinder und Schafe füllen die Dörfer mit Leben. Man praktiziert „erlebte Geschichte" und veranschaulicht den Besuchern die Lebensweise unserer Vorfahren.
Hier machen wir, Emma und Florian, unser FöJ. Um euch einen kleinen Einblick in unsere Arbeit und den Tagesablauf eines Freiwilligen zu gewähren, berichten wir hier von unserem Tagesablauf.
7:00 Uhr:
Ein normaler Arbeitstag beginnt bei uns um 7:00 Uhr im Gemeinschaftsraum der Verwaltung im Freilichtmuseum Kommern. Hier kommen Landwirte, Schreiner, Maurer und Zimmermänner zusammen, um den Tagesablauf zu planen. Als Freiwillige sind wir dann erst einmal für die Verpflegung der Tiere im Museum zuständig. Von der Verwaltung aus geht es vorbei an alten Fachwerkhäusern des 17. bis 19. Jahrhunderts zum Lindlarer Stall, der für Besucher normalerweise nicht zugänglich ist. Im Stall füttern wir also die Schweine und Rinder, geben ihnen frisches Wasser und bereiten das Futter vor, hauptsächlich Kraftfutter, Rüben und Heu. Hier beladen wir auch den Traktor mit Futter für die restlichen Tiere im Museum, um die wir uns anschließend kümmern. Die Schafe, Ziegen, der Esel und das Pferd stehen im gesamten Museum verteilt in Ställen und Weiden, die in die Baugruppen eingegliedert sind, um das Dorfleben von früher möglichst original zu präsentieren. In den warmen Frühlings- und Sommermonaten bringen wir die Tiere anschließend auf diverse Weiden im Museum. Wenn man etwas Futter zum Locken dabei hat, klappt das sogar ohne Strick. Die Landwirte bringen uns dabei ihr Vertrauen entgegen und es macht Spaß, für das Wohlergehen der Tiere verantwortlich zu sein. Um 9:00 Uhr sind wir damit fertig, und es geht in die Frühstückspause.
9:00 – 9:15 Uhr:
Frühstückspause zusammen mit den Landwirten im Gemeinschaftsraum
9:15 Uhr:
Den Vormittag und die Zeit nach der Mittagspause verbringen wir in der Regel mit den Landwirten und unterstützen sie bei ihrer Arbeit. Der Tagesablauf variiert dabei immer und ist extrem von der Jahreszeit und dem Wetter abhängig. Im großen und Ganzen kann man unseren Arbeitsbereich dreiteilen:
1. Instandhaltung und Verschönerung des Geländes:
Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit hat mit Holz zu tun. Das Museum ist größtenteils bewaldet. Dementsprechend müssen wir durch Durchforstung dafür sorgen, dass einerseits alte, kranke Bäume gefällt werden, andererseits aber auch neue, junge Bäumchen gepflanzt werden. Aus den gefällten Bäumen machen wir Brennholz für die Häuser mit Ofen, wie zum Beispiel die Backstube, bzw. Baumaterial für Zäune. Ein weiterer Bestandteil unserer Arbeit ist das Reparieren und Erneuern der Zäune. Die Pfähle und Bretter schneiden und spalten wir selber zurecht. Außerdem haben wir im Museum etwa 100 Obstbäume, die wir im Frühjahr zurückschneiden müssen.
2. Bewirtschaften der Felder:
Dazu gehört das Vorbereiten der Äcker. Sofern es möglich ist, nutzen wir dafür alte Methoden und Gerätschaften, um den Besuchern ein möglichst authentisches Bild der damaligen Zeit zu bieten. Beim Pflügen wird zum Beispiel der Traktor durch einen Ochsen ersetzt, und wir säen die Getreidesamen von Hand. Im Herbst helfen wir dabei, die Ernte einzufahren. Hauptsächlich bauen wir Kartoffeln, Flachs, Weizen und Roggen an. Neben der praktischen Arbeit lernt man dabei viel über verschiedene Getreidesorten oder das Prinzip der Dreifelderwirtschaft, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Außerdem gibt es in jeder Baugruppe kleine Gemüsegärten, die wir bepflanzen und pflegen.
3. Arbeiten mit Tieren:
Abgesehen von den täglichen Fütterungen arbeiten wir mit den Tieren, um sie im Museum bei historischen Feld- und Forstarbeiten einsetzen zu können. Wir gehen zum Beispiel mit dem Ochsen oder Pferd am Strick, damit sie sich an die Wege gewöhnen, lassen sie Stämme rücken oder spannen sie vor eine Kutsche oder einen Getreidewagen. Je nachdem mussten wir auch den einen oder anderen entlaufenen Eber oder Ochsen wieder einfangen, was wesentlich spaßiger ist, als es sich anhört. Außerdem kümmern wir uns um die neugeborenen Lämmer, Ferkel und Kälber. Falls nötig, unterstützen wir die schwachen Lämmer, das Euter der Mutter zu finden oder helfen bei der Geburt eines Kalbes. Ställe ausmisten gehört natürlich auch dazu.
15:00 Uhr:
Vor Feierabend versorgen wir dann noch einmal die Tiere, geben ihnen frisches Wasser und Futter. Um 16:00 Uhr ist dann meistens Feierabend.
In regelmäßigen Abständen gibt es im Museum große Feste und Veranstaltungen, die wir mit vorbereiten. So bauen wir einen 80m³ großen Holzkohlenmeiler auf, bereiten Stämme für die Holzrückertage vor, bauen Buden für den Jahrmarkt auf und präsentieren den Besuchern beim Tag nach der Ernte das Getreidedreschen in Handarbeit und mit alten Maschinen.
Insgesamt gesehen ist die Arbeit eines Freiwilligen im Freilichtmuseum in Kommern sehr interessant und abwechslungsreich. Wir erhalten einen Einblick in die verschiedensten Formen der Land- und Forstwirtschaft und arbeiten aktiv dabei mit. Die Arbeit mit den Kollegen macht sehr viel Spaß, und man hat zumindest in der warmen Saison viel Kontakt mit Besuchern und Schülergruppen.
(Jugend. Freiwilliges ökologisches Jahr. Ein Jahr für mich und die Umwelt.
Herausgeber: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 2010.)
