Westerwald

Haus aus Altenburg Haus aus Bilkheim Schmiede aus Bornich Brunnen mit Gänsen vor der Schmiede Hof aus Hanf Baugruppe Westerwald, Schafe im Vordergrund Schmiede aus Bornich

Baugruppe Westerwald/Mittelrhein

Der Westerwald erstreckt sich als Bergland zwischen der Sieg im Norden und der Lahn im Süden und gehört teilweise zu Hessen. Nur der rheinische Bereich des Westerwaldes wird in unserem Museum vorgestellt. Er hat gewisse Ähnlichkeit mit der Eifel, ist aber an den meisten Orten nicht so unwirtlich und rau. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts galt der Westerwald als eine wohlhabende Landschaft. Er war reich an Holz, hatte gute Handelsbeziehungen und die Menschen hielten viel Vieh. Durch Raubbau am Wald aber brach im 19. Jahrhundert die große Armut herein. Viele Westerwälder wanderten nach Amerika aus. Das Elend der Menschen aber kann ein Museum nicht darstellen.

Hof- und Siedlungsformen

Der Westerwald ist ein typisches deutsches Mittelgebirge. Er ist ein Gebiet, in dem die Menschen in Dörfern lebten. Keine verstreuten Einzelhöfe, auch keine kleinen Weiler, sondern mehr oder minder große Dörfer waren hier entstanden. Die Häuser waren ungeordnet zu Dörfern zusammengebaut, entsprechend winklig und unregelmäßig sind die Straßen und Gassen.

Wo der Rhein in das Gebirge einschneidet, endet der Westerwald. Die Siedlungen im Rheintal, am Mittelrhein – zwischen Bingen und Koblenz – unterscheiden sich von den Dörfern auf der Höhe vor allem dadurch, dass hier weniger Bauplatz zur Verfügung stand. Dass man dort trotzdem lebte, hat vor allem mit dem Weinbau zu tun. Deshalb finden Sie in der Baugruppe Westerwald auch einen rheinischen Winzerhof.

Die Gebäude sind nach ihren Nutzungsarten klar getrennt. Zusammenbau von Wohnung und Stall oder von Scheune und Stallungen bleiben in älterer Zeit die Ausnahme. Für jede Funktion gibt es ein eigenes Gebäude.
Die ältesten erhaltenen Westerwaldhäuser waren ursprünglich Rauchhäuser ohne Rauchabzug über Dach. Im 17. Jahrhundert werden erstmals hölzerne Rauchschlote in Feuerordnungen genannt.


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Haus aus Ruppenrod

Herdraum

Der Herdraum des Hauses aus Ruppenrod ist geprägt vom Herdplatz in der Ecke über dem ein großer Rauchfang aus Fachwerk hängt. Auch der Schornstein, in den der Rauchfang überleitet, war ursprünglich komplett aus Holz. Doch ein offenes Feuer erzeugt neben Rauch auch Funkenflug. Deshalb galten hölzerne Schlote dem modernen Staat als brandgefährlich. Im 19. Jahrhundert wurden sie kurzerhand verboten.


Drechselwerkstatt

Gedrechselt wurden viele Gegenstände des täglichen Bedarfs: Schüsseln wurden aus einem Holzklotz herausgedreht, Stuhlbeine und Kinderkreisel. Dazu benötigte man eine besondere Werkbank, die Drechselbank, auf der das Holzstück drehbar befestigt werden kann und sich dann in Bewegung setzen lässt. Hier sind die älteste und eine neuere Form der Drehbank aufgestellt. Sie können eine hölzerne Wippdrehbank erkennen, die mit dem Fuß betätigt wird. Ein Tritt auf das Pedal lässt das Werkstück kurz rotieren. Um erneut treten zu können, muss das Holz aber erst zurück in seine Ausgangslage drehen. So muss der Drechsler immer wieder neu ansetzen, und die Arbeit dauert lange.

Es gab daher verschiedene mechanische Verbesserungen, bei denen das Werkstück durch eine Schwungmasse immer in gleicher Drehung gehalten wurde. Erst um 1900 hielten Maschinen mit Motor auch in kleine Werkstätten Einzug, dank des Stroms.


Haus aus Bilkheim

Schon der erste Eindruck zeigt ein sehr reiches Haus: Es besteht aus mehr Holz als Ausfachungen. Die überaus dicken Balken sind aber in Wahrheit nur Bretter: Sie sind im Querschnitt sehr viel dünner, als sie sich nach außen breit zeigen. Es handelt sich also um einen Bauherrn, der seinen Wohlstand größer erscheinen lassen wollte, als er war.

Lesen Sie den Spruch, der als Inschrift über der Türe eingeschnitten ist:

IHM. AHNVANG. WAR. DAS. WORT. VND. DAS. WO
RT. WAR BEI. GOTT. VND. GOTT. WAR. DAS. W
ORT. DIS. HAVS. HAT. THEIS. KLOFT. ERBA
VT. DIS. HAVS. STED. IHN. GOTTES. HANT. GO
T. BEHVET. ES. VOR. FEVER. VND. BRAND. AMEN
1687 D 19 i(V)NI

Bevor in ihm die üblichen Angaben zum Haus kommen - wer es wann gebaut hat - wird ein ganzer Bibelvers zitiert. Das Bibelzitat ist doppelbödig: Denn dadurch, dass die Bibel angeführt wird, macht der Hausherr deutlich, dass er dem Wortlaut der Heiligen Schrift eine hohe Bedeutung zumisst. Hierfür wählt er aber ausgerechnet jenen Satz des Johannes-Evangeliums, auf den die evangelische Konfession gern ihren Ruf „Zurück zum Wort Gottes“ gegründet hat. Wir wissen nicht, ob der Bauherr Matthias Kloft Protestant war. Aber in einem katholischen Dorf einen protestantischen Türspruch anzubringen, muss einiges an Mut erfordert haben – und Selbstbewusstsein. So selbstbewusst, wie die Konstruktion des Hauses teuer und aufwendig ist.

Der Wohlstand des Westerwaldes gründete sich auf große Wälder und ausgewogene Besitzverhältnisse. Als im 19. Jahrhundert die Zahl der Geburten zunahm und Besitzverhältnisse sich verschoben, zersplitterte das Ackerland in kleine und allerkleinste Parzellen. Kaum ein Bauer konnte jetzt noch von seinem Bauernhof leben. Nun, ausgerechnet am Beginn der Industrialisierung, am Vorabend der Moderne, brach im Westerwald die bittere Armut aus.


Herdraum

Anders als in vielen älteren Häusern ist der Platz für das Herdfeuer hoch aufgemauert. Auf dem Steinpodest brannte das Feuer auf Kniehöhe, was einen großen Vorteil bedeutete, denn die Hausfrau musste sich nicht mehr bis zum Boden bücken. Von dieser Einrichtung haben alle späteren Ofenformen den Namen „Herd“ bekommen, nur dass das Feuer bei ihnen nicht mehr auf dem Herd, sondern im Herd brannte. Der Rauch des Herdfeuers zog durch den Raum ins Dach und von dort ins Freie. Es handelt sich also um ein Rauchhaus, wie Sie einige im Museum finden.

Ungewöhnlich hingegen ist der Schmuck in den Zimmern: Die kleinen Felder von Putz zwischen den breiten Hölzern des Fachwerks sind kreuzförmig eingeritzt. Dieser sogenannte Kratzputz war eine zusätzliche Auflockerung der Fläche. Er bietet dem Auge des Betrachters eine angenehme Struktur. Der Erbauer dieses Hauses bereitete mit einfachen Mitteln eine möglichst angenehme Umgebung.

Wie die Nachfolger des Bauherren über zweihundert Jahre hier lebten, zeigt das Haus nicht. Im Museum kann immer nur ein bestimmter Zustand dargestellt werden. Wird der Ur-Zustand gezeigt, mussten alle später hinzugekommenen Veränderungen beim Wiederaufbau des Hauses rückgängig gemacht werden. Gerade im Westerwald sollte sich das Leben durch die Armut im 19. Jahrhundert aber stark verändern.


Werkstatt

Der Sümmermacher fertigte in der Werkstatt Holzkörbe, die eine ganz bestimmte Größe hatten. „Sümmer“ war im Rheinland eine alte Maßeinheit für Getreide. Während man aber heute nach Gewicht messen würde - „ein Pfund Weizen, ein Kilogramm Roggen“ - war der Sümmer ein Hohlmaß: Das Korn wurde in den Spankorb geschüttet und wenn dieser voll war, hatte man genau einen Sümmer Getreide abgemessen. Wieviel ein Sümmer war, dafür gab es keine Norm. Von Region zu Region, ja sogar von Dorf zu Dorf waren die Sümmer-Körbe unterschiedlich groß.

Die Unterschiede waren beträchtlich: Zwischen der Eifel und dem Westerwald konnte ein Sümmer hier 17 Liter groß sein, dort aber 33 Liter. Der Sümmermacher musste daher genau wissen, für wen er einen solchen Messbehälter anfertigte und er musste die Größe genau einhalten. Ansonsten hätte ein Bauer beispielsweise zuviel Zehnten als Abgabe an den Grundherrn gezahlt, wenn in das Sümmer-Maß zuviel Korn gepasst hätte.


Haus aus Grossholbach

Das Haus aus Großholbach wurde im frühen 18. Jahrhundert errichtet, aber in einer Fachwerk-Konstruktion, die zur damaligen Zeit schon recht altmodisch war. Auch im Innern ist es ein sehr traditionelles Haus, ein Rauchhaus ohne Schornstein. Immer diente es als Bauernhaus: Es war die Wohnung einer der knapp sechzig Familien, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Großholbach in der Nähe von Montabaur lebten.

Da die Bauernhäuser im Westerwald keinen eigentlichen Wirtschaftsteil haben, wurden diese Wohnhäuser durch eigenständige Scheunengebäude ergänzt.

Mit dem Aufkommen ausgedehnten Handels, dem Verkauf von billigen Industrieprodukten und der Einfuhr von Kolonialwaren entstanden im 19. Jahrhundert auch auf dem Land die Dorfläden.


Dorfladen

Obwohl es in diesem Haus niemals einen Laden gegeben hat, wird hier die mögliche Situation einer dörflichen Handlung gezeigt. Die neuen Dorfläden entstanden häufig in den Wohnräumen der Bauernhäuser, und deshalb wurde hier im Museum ein solcher Laden im Haus aus Großhohlbach eingerichtet. Das Warenangebot und die Ausstattung zeigen einen Laden, wie er in den 1930er Jahren ausgesehen hat.


Haus aus Altenburg

Im nördlichen Teil des Westerwalds blieb der alte Geschossbau üblich, auch nachdem im Süden des Gebietes die Stockbauweise für Fachwerkhäuser eingeführt worden war. Dennoch versuchte man die modern gewordene Stockbauweise zu imitieren: Die senkrechten Eckständer des Hauses verjüngen sich am Übergang zwischen Ober- und Untergeschoss, so dass der obere Teil im Querschnitt größer dimensioniert blieb. Durch ein zusätzliches horizontales Profilband wird so der Eindruck erweckt, das Obergeschoss sei ein eigenständiges vorkragendes Stockwerk.

Typisch für den Westerwald ist auch der Schlot aus Holz, der im Hausinnern auf einem großen Rauchfang sitzt, unter dem ein offenes Feuer brannte. Dass das Haus aus Altenburg überhaupt einen Schlot hat, ist ein Hinweis darauf, dass es nicht sehr alt ist. Es dürfte um 1700 errichtet worden sein.

Als das Gebäude 1966 für das Museum abgebaut wurde, waren ein Stall und eine Scheune angebaut, die nicht mit nach Kommern übernommen wurden. Sie sehen also nur das Wohnhaus der Bauernfamilie.


Imkerei

Bienen zu halten war für manche Bauern Nebenerwerb und für die Klöster wichtiges Gewerbe – weniger des Honigs wegen, als zum Gewinnen von Bienenwachs für die Kirchenkerzen. Bis ins 19. Jahrhundert war kaum von Bienenzucht zu sprechen: Wer einen wilden Bienenschwarm an einem Baum fand, schlug ihn vom Ast in einen Flechtkorb, den Bienenkorb, wie wir ihn heute noch von Bildern kennen. Sollten diesem Bienenkorb dann am Ende des Sommers die Waben mit Wachs und Honig entnommen werden, drehte man den Korb auf den Kopf, stellte einen neuen, leeren Flechtkorb oben darauf und musste warten, bis das Bienenvolk in den neuen Korb umgezogen war.

Erst mit ausgeklügelten Bienenstöcken aus Holz konnte man die Waben einfach entnehmen. Prinzip dieser Erfindung ist, den Bienen Holzrahmen mit einer Wachsplatte anzubieten, auf die sie ihre Waben bauen können. Erst 1851 fand man heraus, wann die Bienen sich in einem solchen Holzgehäuse wohlfühlen.

Seitdem kann der Imker Holzrahmen voller Bienenwaben aus dem Stock herausziehen, ohne etwas daran zu beschädigen. Er schleudert dann mit einer Zentrifuge den Honig aus den Waben heraus.

Wann die Imker vor Ort im Museum sind und über ihre Arbeit berichten können, erfahren Sie unter den Terminen.

Mehr Informationen über Bienen


Bienen - vom Haustier zum Wirtschaftsfaktor

Haus aus Hanf

Das Haus aus Hanf ist ein sogenannter Streck-Hof, bei dem alle Gebäude der Länge nach aneinander gebaut sind. Nachdem 1688 das Wohnhaus entstanden war, fügte man 1722 Stall und Scheune an. Das Alter der beiden Teile - Wohnhaus und später angebauter Wirtschaftsteil - können Sie den Inschriften über der Tür beziehungsweise dem Stalltor entnehmen.

Der Name des Erbauers ist leider nicht genannt. Doch im Dorf Hanf trug das Anwesen den Namen „Solbachs Hof“. Der letzte Besitzer mit Namen Solbach starb kurz vor 1900. Als Junggeselle war er kinderlos geblieben. So bekam das Anwesen neue Besitzer, die hier aber keine Landwirtschaft mehr unterhielten.

Bis 1953 wechselten die Bewohner mehrfach, vier Familien sind bekannt. Dann stand das Gebäude leer. 1963 wurde es abgebaut und in das Freilichtmuseum überführt.


Herdraum

Auf dem Land wurde in den Häusern nicht nur gearbeitet, man starb auch in den Häusern und wurde hier geboren. Die Bäuerin half bis kurz vor der Entbindung bei der Hofarbeit und zwar nicht nur an ihrem traditionellen Arbeitsplatz, dem Herdfeuer.

Man war der Ansicht, gerade schwere Arbeit und sogar das Herabspringen aus gewisser Höhe würden die Geburt beschleunigen. Die Maßnahmen der Hebammen dienten vor allem dem schnellen Überwinden der Wehen. Tatsächlich hatten die Hebammen große Erfahrung. Sie kannten den Ablauf einer Niederkunft sehr gut. Doch bei Komplikationen konnten sie meist nicht helfen. Die Lebenserwartung einer Frau lag um 1700, als dieses Haus errichtet wurde, bei über siebzig Jahren - vorausgesetzt, sie überlebte die Geburten ihrer Kinder. In Zeiten mangelhafter Hygiene und bisweilen fragwürdiger Praktiken war Gebären lebensgefährlich. Todesursache war das Kindbettfieber, eine Infektion, die vor allem in Geburtshäusern grassierte. Bei Hausgeburten starben nur rund 6 Prozent der Mütter. Hingehen war die Sterblichkeit der Kinder in jedem Falle hoch. Fast die Hälfte der Menschen starb vor dem zwanzigsten Geburtstag. Danach besaß man aber gute Chancen, ein Alter zu erreichen, das unserer heutigen Lebenserwartung entspricht. Und während die Unfallgefahr des Mannes im Alter stieg, verbesserte sich die Gesundheit der Frau, sobald sie keine Kinder mehr empfangen konnte. Sollte die Zahl der Menschen gleich bleiben, musste jedes Ehepaar zwei Kinder haben, die überleben. Dafür musste die Frau aber mindestens vier Kinder bekommen - und zwar vor ihrem vierzigsten Lebensjahr.


Stube

In der Stube versammelten sich jene, die bei einer Geburt nach häufiger Ansicht nichts zu suchen hatten: die Männer. Vor dem ausgehenden 18. Jahrhundert war Geburtshilfe Frauensache. Es gab aber regionale Unterschiede. Manche traditionelle Geburtstechnik verlangte sogar die Anwesenheit des Mannes: Wenn die Mutter zum Beispiel im Stehen entband, musste ihr Mann sie stützen. Blieb der Vater des Kindes in der Stube, war er nicht allein. Oft hatte er den Pfarrer im Haus. Je nach seinem Urteil über die Dorfbewohner kam der Pfarrer schon deshalb, damit magische Praktiken unterblieben. Die Grenze zwischen hilfreichen Maßnahmen und symbolischen und dann magischen Handlungen war schmal. Oft waren die Mutter und ihre Hebamme aber selbst befangen in der biblischen Vorstellung, Geburtsschmerzen seien eine gottgesandte Strafe.


Winzerhof

Der Winzerhof besteht aus Häusern aus verschiedenen Dörfern: Das Kelterhaus aus Oberdollendorf diente als Unterstand für den Kelter, die Saftpresse des Dorfs. Hier im Museum wurde es ergänzt mit einem Kelterhaus aus Ockenfels, ebenfalls am Rhein gelegen. Als Wohnhaus für den Weinbauern, das einen Winzerhof vervollständigt, wurde das Haus aus Niederzissen (noch nicht wiederaufgebaut) herangezogen. Auch in Niederzissen, im Brohltal in der Eifel, gab es Weinbau bis ins 19. Jahrhundert.

Dass der hier zusammengestellte Winzerhof zwei Kelterhäuser hat, soll den Vergleich zwischen verschiedenen Pressverfahren ermöglichen. Denn nachdem die Trauben gepflegt und im Herbst geerntet sind, muss zu aller erst ihr Saft gewonnen werden. Daher haben die Kelter eine besondere Bedeutung bei der Weinherstellung. Ob beispielsweise mit oder ohne Stile gepresst wird, entscheidet über den Charakter des Getränks. Und wenn der Winzer nach dem Keltern die Schalen der Trauben zum Teil wieder in den Saft zurückgibt, wird es ein Rotwein werden. Das Gären des Saftes ist der wichtigste Abschnitt in der Weinbereitung. Beim Gären wird der Fruchtzucker durch die Hefe zu Alkohol umgesetzt. Über Jahrhunderte setzte man dem Traubensaft nicht etwa besondere Hefe-Kulturen zu, um die Gärung einzuleiten. Die Hefepilze, die ganz von Natur außen auf den Trauben sitzen, bereiteten den Wein. Beim Pressen im Kelter gelangten sie in den Saft. Sie zu pflegen, die richtigen Bedingungen für die Gärung herzustellen, war eine Aufgabe, für die der Winzer sich nur auf Erfahrung stützen konnte. War der Zucker dann im Wein vergoren, besaß man ein haltbares Getränk. Man konnte es in Fässern lagern - auch, um seinen Geschmack noch zu verändern.


Wein

Das Haus aus Oberdollendorf beherbergt die Saftpresse, die Kelter, in der die Trauben ausgepresst wurden. Eine einzelne Weintraube ist leicht zwischen den Fingern zu zerdrücken. Doch eine große Zahl von Trauben ist erstaunlich fest und verlangt zum Pressen große Kräfte. Will man eine große Zahl von Trauben schnell zerdrücken, braucht man eine große Pressvorrichtung. Für manchen Wein ist eine Beschleunigung der Winzerarbeit sogar für den Geschmack erforderlich, damit der Saft nicht lange an der Luft liegt. Allerdings war der Geschmack des Weines über Jahrhunderte nicht so wichtig, wie uns heute. Vor allem war Wein ein haltbares und hygienisches Getränk. Sein Alkoholgehalt schützte ihn vor dem Befall durch Mikroorganismen. Hingegen war manches Wasser, das getrunken wurde, alles andere als rein. Die Bauern behalfen sich gerne mit Dünnbier. Man konnte es den ganzen Tag trinken, ohne wirklich betrunken zu werden. Hingegen bevorzugte der Adel Wein. Vor allem aber war der Wein das liturgische Getränk der Kirche. So wundert es nicht, dass auch zahlreiche Klöster in Oberdollendorf Weinberge besaßen.


Spindel- und Baumkelter

Die Spindelkelter gehört nicht original hierher, sondern stammt aus Oberhilbersheim in Rheinhessen. Sie ist aber typisch für Kelter mit Spindel:

In einem sehr wuchtigen Holzrahmen ist unten eine Wanne eingebaut, in die die Trauben eingefüllt werden. Ein hölzerner Press-Stempel wird dann daraufgesetzt und herabgedrückt. Die Kraft überträgt eine senkrechte Spindel aus Holz. Mit einem Holzhebel wird die Spindel gedreht, so dass sich im eingeschnittenen Gewinde der Stempel in die Wanne hinabschraubt. Der Traubensaft läuft vorn in einen Bottich. Kelter mit Spindel waren im Rheinland verbreitet, aber nicht die einzige Bauform.

Im zweiten Kelterhaus des Winzerhofes, dem Haus aus Ockenfels, finden Sie eine sogenannte Baumkelter, bei der ein länglicher hoher Kasten die Trauben aufnahm. Der Presskolben wurde hier von einem Holzbalken, dem sogenannten Baum, nach unten gedrückt, indem dieser Baum an seinen beiden Ende über hölzerne Schrauben nach unten gezogen wurde. Die Krafteinleitung war bei dieser Konstruktion also auf zwei Seiten aufgeteilt.


Schmiede aus Bornich

Der Schmied gehörte zu den wichtigsten Handwerkern auf dem Land. Zu allererst mussten die Zugtiere mit Hufeisen beschlagen werden, jedenfalls dann, wenn sie nicht nur auf dem Acker, sondern auch über gepflasterte Straßen laufen sollten. Besonders in Gebirgslandschaften mit steilen Straßen und Glatteis im Winter waren Hufeisen unverzichtbar. Daneben fertigte der Schmied aber auch viele Teile des Ackergerätes. Ohne diese Geräte wäre die Landwirtschaft kaum möglich gewesen und eine entsprechend hohe Bedeutung hatte der Schmied. Mit der Industrialisierung steigerte sich seine Bedeutung sogar noch, weil nun an den industriell hergestellten Pflügen und Eggen viele Teile aus Stahl gefertigt waren, die bis dahin noch aus Holz bestanden hatten. Der Schmied im Dorf musste jetzt diese Industrieprodukte reparieren.

Seine besondere Funktion brachte den Schmied auch mit vielen anderen Handwerkern zusammen. So war der Schmied unmittelbar daran beteiligt wenn der Stellmacher ein Wagenrad aus Holz fertigstellte. Denn der Ring aus Holzstücken, die das Rad bilden, wird von einem Eisenreifen zusammengehalten. Dieser Ring muss heiß auf das Rad aufgesetzt und dann sofort abgekühlt werden. Dann zieht er sich zusammen und presst die Holzteile zusammen.


Notstall

Zu den Aufgaben eines Dorfschmiedes gehörte vor allem das Beschlagen der Zugtiere mit Hufeisen. Das waren keineswegs nur Pferde. Gerade in ärmeren Gegenden der Mittelgebirge überwogen Zugochsen, und sogar Milchkühe wurden vor den Pflug gespannt. Für Rinder gab es daher besondere Formen von Hufeisen. Um zumindest die Pferde beim Beschlagen zuverlässig ruhig halten zu können, wurden sie in einem Holzgestell festgebunden, dem Notstall. Die Bauern gingen mit ihren Tieren über Jahrhunderte recht emotionslos aber pfleglich um, denn die Tiere waren oft ihr größter Besitz. Ein Rind zog eben nicht allein den Wagen, sondern auch den Pflug, und sein Mist war kostbarer Dünger. Dass nur jedes zweite Kälbchen einer Kuh selber weiblich war und später Milch geben würde, war daher zu verschmerzen. Auch viele männlichen Kälber fütterte man durch, weil man ihre Zugkraft brauchte.


Spritzenhaus aus Oberwennerscheidt

Feuer, durch Blitzschlag oder Funkenflug, durch Krieg oder Versehen, gehörte zu den größten Bedrohungen für ein Dorf. Am gefährlichsten war es, wo die Häuser aus Holz und Fachwerk errichtet waren, die Dächer mit Stroh gedeckt und alle Häuser dicht an dicht standen wie in den Westerwälder Dörfern. Dort konnte ein Feuer von Haus zu Haus übergreifen und das ganze Dorf niederbrennen. Die Chancen, einen solchen Brand zu löschen, waren sehr gering. Es gab kein fließendes Wasser, schon gar nicht unter Druck, keine Hydranten und die Feuerwehr war weder besonders ausgebildet, noch kannte sie besondere Geräte. Über Jahrhunderte floh man bei Brand einfach aus dem Dorf, versuchte zu retten, was zu greifen war. Vor allem das Vieh musste ins Freie gelassen werden. Doch gerade in Panik flüchtendes Vieh konnte die Menschen niedertrampeln.

Versuchte man zu löschen, gab es nur die Eimer von der Alltagsarbeit, um Wasser zu vergießen, das man aus dem Dorfteich holte. Oft war der Teich als Feuerlöschteich extra angelegt worden. Erst im 19. Jahrhundert gab es bewegliche Pumpen, mit denen das Teichwasser in einen Löschschlauch gepumpt werden konnte. Auch das half nicht mehr viel, wenn erst das Reetdach brannte oder das Holzskelett vom Haus.


Gemeindehaus aus Löhndorf

In den Westerwälder Dörfern herrschte eine enge Beziehung zwischen den einzelnen Familien, für ein freidliches Miteinander brauchte man Regeln. Schon seinen Acker konnte nicht jeder Bauer bewirtschaften, ohne über die Ackerstücke seiner Nachbarn zu fahren. Man musste sich also im ganzen Jahreslauf immer miteinander abstimmen.

Diese wirtschaftliche Verflechtung der Einwohner war kompliziert. Aber sie führte auch zur Nachbarschaftshilfe. Ein Ergebnis waren die Gemeindehäuser. In den Dörfern im Hunsrück oder am Mittelrhein hatten die Einwohner nicht nur eine gemeinsame Kirche, sondern auch ein Haus für gemeinschaftliche Zwecke: Den Backofen, die Schule und später oft auch die Feuerwehr. Mehrere Gemeinschaftsaufgaben unter einem Dach zu versammeln war sehr praktisch. Wo man eng miteinander lebt, gibt es aber auch Klatsch und Ärger. Wo das Gemeinschaftsleben endete und die Herrschaft des Mannes über seine Familie begann, war eine der heiklen Fragen.


Backstube

In diesem Raum backte die gesamte Gemeinde ihr Brot - aber natürlich nicht gleichzeitig. Damit jede Familie regelmäßig die Gelegenheit zum Backen hatte, wurde die Benutzung des Ofens durch einen Stundenplan langfristig geregelt, ungefähr so wie die Bewirtschaftung der Äcker. Alle zwei bis drei Wochen konnte der Einzelne dann sein Brot auf Vorrat backen. Folglich wurden haltbare Brotsorten bevorzugt, vor allem Roggenbrot. Mit Sauerteig gelingt Roggenbrot besonders gut, aber Reinzucht-Hefe als Ersatz für den selbstangesetzten Sauerteig gab es erst im 19. Jahrhundert.

Das Backen selbst erforderte Kraft. Zunächst war der schwere Vollkornteig zu kneten. Das war nicht allein wegen der großen Teigmenge für die vielen Brote mühsam. Das Kneten des Teiges muss auch so sorgfältig geschehen, dass der sogenannte Kleber des Mehls dabei aufgeschlossen wird. Während der Teig ruhte wurde mit gleicher Anstrengung der Backofen gefeuert. Er hat nur einen einzigen Raum, in dem zunächst das Holzfeuer brannte, um die Steine aufzuheizen. War das Gemäuer heiß, wurde die Asche herausgekehrt und in den nun leeren Feuerraum das Brot eingeschoben.

Dadurch, dass der Ofen beim eigentlichen Backen nicht mehr beheizt war nahm seine Hitze gleichmäßig ab, bis das Brot gar war. Dadurch konnte der Brotteig sehr gut aufgehen und ausbacken. Steinofenbrot ist bis heute ein Begriff. Was technisch primitiv und umständlich erscheint, hatte also Vorteile für die Qualität des Brotes.


Schule

Die Schulpflicht wurde erst in Preußen 1825 eingeführt. Doch schon im 17. Jahrhundert gab es einzelne Gemeinden, in denen der Vikar oder ein Handwerker Lesen und Schreiben lehrte - für jene Kinder, die dazu die Zeit bekamen. Im Sommer blieb neben der Feldarbeit und der Hilfe im Haus für die Kinder keine Möglichkeit, auch noch zu lernen. Nur im Winter erhielten sie Unterricht. Auch die Schulpflicht konnte daran oft nichts ändern und der Lehrer nahm es hin. Er konnte die Eltern schon deshalb nicht überreden, auf die Arbeitskraft ihrer Kinder zu verzichten, weil er froh war, wenn er überhaupt Kinder in den Unterricht bekam. Denn jedes Kind brachte im Winter Holz zum Heizen für die Schule mit. Und da der Schulmeister im gleichen Haus lebte, bekam er also von den Eltern der Kinder sein eigenes Feuerholz geschenkt. Hier im Haus aus Löhndorf finden Sie in der Lehrerwohnung eine Ausstellung zur Schulgeschichte.

Der Schulraum zeigt die Situation in der späten Kaiserzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Schulbetrieb geregelt verlief und unter anderem auch zur reichsweiten Erziehung treuer Untertanen diente.


Hof aus Oberbreisig

Durch einen großen Dorfbrand waren 1769 in Oberbreisig zahlreiche Häuser zerstört worden. In der Wiederaufbauzeit entstanden mehrere Höfe, die sich Fachwerkgestaltung und Zierformen so ähneln, dass sie vermutlich von einem Zimmermann errichtet wurden. Der Hof, der heute im Museum steht, hatte in Oberbreisig eine zentrale Lage, am Marktplatz der Kirche gegenüber. Das Haus - aufgrund von Archivalien auf 1770 datiert - und das Torhaus sind original, die Scheune entspricht als Nachbau ihrem Vorbild am alten Standort.

Dass der Besitzer wohlhabend war, erkennt man schon am Wohnhaus: Viel Holz ist darin verbaut und das Mansard-Dach verlangte einen geschulten Zimmermann. Diese Dachform war im 16. Jahrhundert in Frankreich vom Architekten François Mansard erfunden worden. Rund hundertfünfzig Jahre dauerte es, bis auch auf dem Land diese „neue“ Bauform aufgenommen wurde.


Postraum

Im Museum haben wir im Torhaus eine kaiserzeitliche Land-Postagentur untergebracht, denn abseits der neuen Bahnlinien war die geregelte Post eine der größten Neuerungen der Moderne auf dem Land. Kleine Postagenturen wurden seit 1870 von der Kaiserlichen Reichspost eingerichtet, wenn sich ein Dorfbewohner - meist der Gastwirt - bereit fand, sie zu unterhalten. Gab es ein Postamt nur im nächsten größeren Dorf, womöglich erst am nächsten Bahnhof, dauerte es lange, bis der Briefträger über Land gefahren war und die Post das Dorf erreichte. Durch diese kleinen Poststationen wurden die Wege für die Postboten kürzer und die Post gelangte schneller an ihr Ziel. Deshalb schossen diese Agenturen bald wie Pilze aus dem Boden.

Noch sehr viel schneller ging die Post ab, wenn man einen Telegraphendraht besaß. Meist war das nur in richtigen Postämtern der Fall, zum Beispiel am Bahnhof, wo die Eisenbahn sowieso eigene Telegraphen unterhielt. Wer Zugang zu einer Telegraphenstation hatte - und das Geld für die Gebühr besaß - konnte in unglaublich kurzer Zeit auf seine Antwort hoffen. Das ganze Weltbild der Menschen, ihre Vorstellung von Entfernung und Nachbarschaft begann sich ab jetzt sehr stark zu verwandeln. Das Dorf war nicht mehr isoliert - es wurde mit dem Rest der Welt vergleichbar und musste sich auf einmal messen, an der Kreisstadt und an Städten wie Berlin.