Eifel

Blick in die Baugruppe Eifel. Im Vordergrund das Haus aus Bodenbach. Hof aus Scheuerheck Sägemühle aus Niederweis, angetrieben durch Wasserkraft. Rückansicht des Hofes aus Binzenbach. Eine Kapelle aus Schützendorf in der Baugruppe Eifel. Das Haus aus Kessenich in der Baugruppe Eifel. Haus aus Straßfeld Haus aus Rohren

Die Eifel links des Rheins zwischen Aachen und der Mosel bildet den rheinischen Teil der Ardennen. So vielgestaltig die Eifel ist, so unterschiedlich stellen sich auch die Dörfer mit ihren Gebäuden dar. Während im Süden in Richtung Trier die Häuser traditionell aus Stein errichtet wurden, vor allem aus rotem Sandstein und Bruchsteinen, dominierte im Norden der Fachwerkbau. Erst mit der Industrialisierung wurde im 19. Jahrhundert mehr und mehr aus Ziegeln gebaut. Dieses nördliche Gebiet wird in unserem Museum repräsentiert.


Hof- und Siedlungsformen

Dörfliche Siedlungen bestimmen das Bild der Eifel. Große, geschlossene Straßen- und Haufendörfer gibt es vor allem im Vorland und den früh besiedelten Randzonen der Eifel.

Stattliche Höfe kennzeichnen die Niederrheinische Bucht, die der Eifel im Norden und Nordosten vorgelagert ist. Fruchtbare Böden und große Ackerparzellen bestimmen das Landschaftsbild.

Die „arme" Eifel dagegen findet sich in den Mittelgebirgsregionen. Die Böden waren schlecht, ihre Parzellen klein. Auch bei harter Arbeit lieferten sie nur geringe Erträge. Wegen der schlechten Böden musste Ackerland immer wieder brach liegen.

Mit der Siedlungsverdichtung im Dorf entstanden aus Höfen, deren Gebäude locker und unregelmäßig auf weiträumigen, umzäunten Hofplätzen verteilt waren, regional unterschiedliche Hofformen.

Im Norden herrscht der Winkel- und Mehrkant-Hof vor, während im Süden die Tendenz eher zum Streckhof geht.

Im Hohen Venn entwickelte sich dagegen mit dem Einhaus eine Sonderform, die Wohnung, Stall und Scheune unter einem Dach zusammenfasst.


Haus aus Rohren

Rohren ist eine kleine Ortschaft im Hohen Venn, einem Hochmoor an der Deutsch-Belgischen Grenze. Diese Landschaft war für Landwirtschaft immer sehr ungünstig. Dennoch lebten hier Menschen und mussten eine eigene Art des Wirtschaftens entwickeln, um mit den begrenzten Möglichkeiten zurecht zu kommen.

Schwierig ist vor allem der Wind. Er trägt nur Regen heran und bläst so scharf, dass es durch die Wände der Fachwerkhäuser zieht. Um das Haus überhaupt warm halten zu können, musste man die Außenwand gegen den Wind schützen. Man tat dies mit dem einfachsten und wirkungsvollsten Mittel: Man pflanzte vor die Wand eine Hecke, die bis zum Dach des Hauses reicht - ein dichter Mantel aus Blättern und Gezweig. Doch eine solche Hecke musste gepflegt werden, damit sie dicht wuchs.


Herdzone

Das Haus wurde 1522 errichtet, in den folgenden Jahrhunderten aber mehrfach umgebaut. Als die letzten Bewohner, die Familie Carl, Mitte des 20. Jahrhunderts auszogen, war der Herdraum vom Stall durch eine Innenwand getrennt. Fünfhundert Jahre zuvor gab es keine solche Trennwand, sondern vermutlich nur eine halb hohe Unterteilung. Die Stube als neuem Hauptwohnraum hatte man vergrößert, und das ganze Haus war durch einen Anbau erweitert worden. Beim Wiederaufbau im Museum rekonstruierte man den ursprünglichen Zustand des Hauses. Der offene Übergang von der Herdzone zum Stall ließ sich zum Beispiel an der Konstruktion der Außenwände noch ablesen.

Die zentrale Lage des Stalles im Haus erinnert an die Bedeutung der Tierhaltung im Hohen Venn. Während es hier nur wenig Ackerland gibt, finden sich ausgedehnte Heideflächen, Wiesen und auch Wälder. In vorindustrieller Zeit wurde in ganz Deutschland das Vieh zum Fressen in den Wald getrieben.


Haus aus Brenig

Brenig ist ein kleines Dorf im Vorgebirge mit Blick in die Niederung des Rheins. Als dieser Hof 1556 errichtet wurde, lebten die Bauern hier neben dem Ackerbau auch von Wein. Im 19. Jahrhundert verschwand der Weinbau aus der Voreifel. Es wurde weniger Wein getrunken, während gleichzeitig die Ansprüche an die Qualität stiegen. Gleichzeitig aber wuchsen Bonn und Köln zu modernen Großstädten heran, die einen enormen Bedarf an Obst und Gemüse hatten. Bis heute ist das Vorgebirge ein wichtiges Gemüseanbaugebiet für den Kölner Großmarkt.

Der einzige Teil des Hofes aus Brenig, der noch aus dem 16. Jahrhundert stammt, ist das Wohnhaus, das Hauptgebäude, vor dem Sie stehen. Der Giebel wies zur Straße und war mit besonders schmuckem Fachwerk gebaut: Die Gefache sind gleichmäßig groß und schräge Streben gibt es nicht. Wenn Sie um die Hausecke herumgehen, sehen Sie dort ein schlichteres Fachwerk, das ausreicht, um stabil zu sein. Dieses einfache Konstruktionsfachwerk hat größere Abstände zwischen den senkrechten Ständern und wird durch Streben ausgesteift.

Wie schon an anderen Stellen des Museums erkennt man hier, dass auch einfache Pachtbauern schon immer bereit waren, Geld für Schmuck auszugeben. Zumindest wenn dem Rest des Dorfes damit Wohlstand präsentiert werden konnte. Das Ebenmaß der Hausfassade war schön, Schönheit war Reichtum, Reichtum aber machte die Bedeutung des Bauern im Dorf aus. Und wer bedeutend war, konnte zum Beispiel in reichere Bauernfamilien einheiraten und bekam höhere Mitgift. So zog das Geld weiteres Geld an – auch auf dem niedrigsten Niveau.


Herdraum

Das Mobiliar entspricht der Zeit um 1800 und kann als typisch gelten auch für die Jahrhunderte zuvor. Denn während die höfische und bürgerliche Wohnkultur von Modeströmungen verändert wurde, griff der ländliche Tischler neue Stile seltener auf. Auch das, was man mit einem modernen Wort als „Haustechnik“ bezeichnen könnte ist beinahe zeitlos, beispielsweise die Beleuchtung mit den drei Öllampen.

Lampen, die mit Waltran oder ähnlichem Öl gefüllt wurden, rußten und gaben nur schwaches Licht. Außerdem stellten sie eine Brandgefahr dar. Dennoch waren sie die häufigste Lichtquelle neben den Kienspänen oder dem Feuer auf dem Herd. Kerzen gab es für Bauern nur selten. Das Bienenwachs wurde für die Kerzen der Kirchen und Klöster verbraucht. Petroleumlampen mit verbessertem Docht, sogenannte Argand-Lampen, kamen auf dem Land im 19. Jahrhundert erst verspätet auf. Das helle Spiritusglühlicht hatte ein kurzes Zwischenspiel in der Zeit ab dem Ersten Weltkrieg. Je nach Region in den 30er oder 50er Jahren des 20. Jahrhunderts kam das elektrische Licht.

Wie die meisten älteren Bauernhäuser ist auch dieses Haus nicht unterkellert. Doch wenngleich der Untergrund nicht gepflastert ist, steht man nicht unmittelbar auf dem gewachsenen Erdreich: Eine Schicht humusfreien Lehms ist beim Hausbau aufgetragen und festgestampft worden. Das ist eine durchaus gute Form des Fußbodens, mit nur einem Nachteil: Der Boden wird „flüssig“, wenn man ihn mit Wasser aufwischen will. Nur trockenes Kehren ist möglich. Um dennoch Schmutz und verschüttete Flüssigkeiten entfernen zu können, wurden solche Böden gerne mit Heu bedeckt. Beim Hausputz kehrte man das Heu zusammen und gab es den Tieren zum Futter. An einer Feuerstelle ist jedoch die Brandgefahr für Heu zu groß. Deshalb wurde in einem solchen Herdraum der Boden entweder mit Sand bestreut oder blank gelassen. Zum Kehren verwendete man Reisigbesen, denn: je weicher der Fußboden, desto härter muss der Besen sein.

Die hohe Kindersterblichkeit in vorindustriellen Bauerndörfern hat mit den mangelhaften hygienischen Verhältnissen zu tun. Vor den Forschungsergebnissen Louis Pasteurs zur Mitte des 19. Jahrhunderts besaß niemand eine gesicherte Vorstellung von Krankheitserregern und hygienischen Regeln. Und die wirtschaftlichen Ziele der bäuerlichen Hausgemeinschaft machten in Sachen Reinlichkeit ein wenig nachlässig: Die Frauen, zuständig für das Haus, mussten zu viel Zeit mit Feld- und Gartenarbeit zubringen, um sich der Sauberkeit widmen zu können. Ergebnis waren oft Hautkrankheiten - besonders bei den Kindern, die man glaubte, mit Schmutz abhärten zu müssen.


Haus aus Elsig

Das Haus aus Elsig bildet mit dem Haus aus Wallenthal einen Vierseithof, wie er typisch ist für die Voreifel. Aus Ziegeln errichtet, prägen diese geschlossenen

Hofanlagen dort heute noch das Bild der Dörfer. Das Haus wurde 1719 für die Familie Althausen aus Fachwerk gebaut, an der Straßenecke zum Kirchplatz. Eine hervorgehobene Lage. Die verlangte besonderen Schmuck. Das bedeutete aber nicht unbedingt Zierrat, denn auch eine besondere Fachwerkkonstruktion war repräsentativ.

Für die Menschen um 1700 war ein in Stock-Bauweise errichtetes Haus ungewöhnlich modern. Es gab durchaus noch Zimmerleute, die solche Häuser nicht bauen konnten.


Herdraum

Der Ofen, den Sie an der Stelle des ehemals offenen Herdfeuers sehen, entspricht dem Sparofen, der im Haus aus Bodenbach steht. Jedoch ist hier der alte Rauchfang mit einer Blechplatte verschlossen worden. Das Ofenrohr und der Schlot bilden einen geschlossenen Abzug. Der emaillierte Sparherd in diesem Haus stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Offenes Feuer war seit Ende des 19. Jahrhunderts in allen Dörfern verschwunden. Grund dafür war nicht zuletzt die Einführung industriell geförderter Kohle anstelle des Brennstoffes Holz. Während Holz in einem Aschebett brennen muss, um die optimale Verbrennungstemperatur halten zu können, brennen Kohlen nur mit einen großen Luftüberschuss und brauchen deshalb einen Rost. Außerdem ist der Rauch von Kohlen wegen des hohen Schwefelgehalts nicht zum Räuchern oder dem Konservieren von Saatgut zu gebrauchen. Der neue Brennstoff hatte die Feuerungstechnik verändert und auch Aufgaben des Feuers für den Bauernhof. Umgekehrt unterschied sich die Küchenarbeit ab jetzt zwischen Bürgern und Bauern nicht mehr.


Waschkammer

Die Waschkammer beherbergt Geräte für das Wäschewaschen, die aus verschiedenen Zeiten und Orten stammen und für unterschiedlich große Haushalte gedacht waren. So diente die große Mangel rechts zum Glätten der Wäsche einer ganzen Kirchengemeinde. Bemerkenswert ist auch die Steinwanne von 1837, den sie links hinten sehen.

All diese Geräte erforderten Kraft: Sei es, dass die schweren, voll Wasser gesogenen Wäschenstücke bewegt und bearbeitet wurden. Sei es, dass der Rücken sich immer wieder beugen und aufrichten musste - stundenlang. Waschen war eine mühselige Aufgabe und reine Frauenarbeit. Weil die Frauen sowieso in das Arbeitspensum des Bauernhofes eingebunden waren, konzentrierte man das Waschen gerne auf drei bis vier Tage im Jahr. Das ging natürlich nur, wenn genug Wäsche vorhanden war, um so lange mit dem Waschen der schmutzigen Stücke zu warten.

Über Jahrhunderte wuschen die Frauen entweder in einem Waschzuber, einem großen Holzbottich, oder direkt am Bach. Mechanische Rühr- und Knetwerke, wie sie hier auch zu sehen sind, kamen erst im 19. Jahrhundert auf. Die Fertigkeit, mit all dem umzugehen, wurde Mädchen schon im Grundschulalter vermittelt: durch Mitarbeiten.


Haus aus Wallenthal (Stellmacher-Werkstatt)

Der Stellmacher war einer der wichtigsten Handwerker auf dem Land, denn er beherrschte nicht nur die schwierige Kunst, Wagenräder aus Holz zu bauen. Er stellte neben ganzen Wagen auch viele Ackergeräte für die Bauern her.

Vor allem aber war er mit Reparaturen beschäftigt. Um sich über Wasser zu halten, reparierte er aber nicht nur Fuhrwerke, sondern fast alles.


Radgrube

Hier hatte der Stellmacher eine besondere Vorrichtung eingebaut, die sogenannte Rad-Grube. Es handelt sich um einen unscheinbaren „Schlitz“ im Boden, der mit Holz ausgekleidet und von einem Holzrahmen eingefasst ist.

In der Mitte dieses Rahmens befindet sich ein Lager. Die Nabe, um die sich das neue Rad später drehen sollte, wurde auf dieses Lager aufgelegt. Hier konnte sie sich auf der Stelle drehen. Dadurch konnte der Stellmacher die Speichen des Rades von oben senkrecht in die Nabe hineinschlagen …

Für kleine Räder benötigte man keine Grube, sondern benutzte den Nabenbock, der nebenan in der Werkstatt des Stellmachers steht.

An der Wand können Sie Bretter mit Löchern hängen sehen. Sie dienten als Wagenheber, mit denen - Loch um Loch - ein Fahrzeug soweit angehoben werden konnte, dass sich das Rad austauschen ließ.


Schaufach

Hier sehen Sie ein Gefach, das zwischen den Holzbalken des Fachwerk-Skeletts die einzelnen Schichten eines solchen Wand zeigt. Senkrecht stehen zwischen dem oberen und unteren Riegel die Staken, mehr oder minder naturbelassene Stecken aus Holz. Waagerecht sind sie umflochten von Ruten.

Gerne wurden Weiden- oder Haselnuss-Zweige dafür verwendet. In dieses Gitter presste man Lehm hinein, der die eigentliche Wand bildet, indem er alle Fugen verfüllt. Damit er besser haften blieb, wurde der Lehm mit Stroh vermischt. Die Strohhalme sollten auch verhindern, dass der Lehm beim Trocknen Risse bekam. Das Balkenskelett des Fachwerkhauses wurde fast immer von ausgebildeten Zimmerleuten hergestellt und aufgerichtet. Hingegen war das Verfüllen der Wand die Arbeit der Bauernfamilie und ihrer Verwandten und Nachbarn. Der vorbereitete feuchte Lehm wurde dabei von Hand auf die Wand geworfen …


Haus aus Bodenbach

Dieses Wohnhaus wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet und es ist schon durch seine Größe ausgesprochen stattlich. Der Giebel, der zur Straße weist, ist durch die Winkelhölzer unter den Geschossen verziert und unter dem Dach schmückt ihn ein Radkreuz. Nur vorgetäuscht wird allerdings, dass es sich um einen Stockbau handelt, der zu dieser Zeit als modern galt.

In Wahrheit ist das Haus in der alten Geschossbauweise errichtet, bei der die Ständer vom Boden bis zum Dach aus einem Stück bestehen. Diese Spannung zwischen Größe und dem Sinn für Schmuck einerseits und andererseits der einfachen Konstruktion entspricht dem mittelmäßigen Wohlstand des Dorfes.


Herdraum

Ursprünglich war er aufgebaut wie der urtümliche Herd im Haus aus Scheuerheck und vielen anderen im Museum: Das Feuer wurde auf dem Fußboden an der Innenwand gelegt. Wenn Sie zur Decke hinaufschauen sehen Sie, dass Sie unter dem Rauchfang stehen. Der Rauchfang ist sehr groß und hoch, um als Räucherkammer zu dienen. Durch eine Tür in der ersten Etage konnte man Schinken und Wurst hineinhängen.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts kamen die offenen Kamine außer Gebrauch. Sie benötigten zuviel Brennholz. Schon seit 1700 hatten sich viele Techniker Gedanken gemacht, wie sich das Holz besser ausnutzen ließe.

Doch erst mit der industriellen Herstellung von Eisenblech konnten Holzspar-Herde so billig gebaut werden, dass sich auch Bauern diese Öfen leisten konnten. Allerdings war Holzsparen nun auch nötig geworden, denn fast alle Wälder im preußischen Rheinland waren verstaatlicht. Besonders in der Eifel hatte man den früheren Niederwald, der Brennholz liefern konnte, in Staatsforste verwandelt. Die Bauern mussten ihr Brennholz jetzt teuer einkaufen und also begannen sie, daran zu sparen.


Haus aus Scheuerheck

Scheuerheck ist ein kleiner Ort, der spät gegründet wurde, denn er liegt nördlich der Ahr in einem Teil der Eifel, der erst spät gerodet worden ist. Bei der Besiedelung blieb aber viel Wald stehen. Daher lebten die Menschen dieser Eifelgegend teilweise vom Waldgewerbe. Besonders das Brennen von Holzkohle war einträglich, weil man die Kohle an Handwerker und vor allem an die Eisenhütten der Eifel verkaufen konnte. Landwirtschaft hingegen war durch die regenreiche Witterung erschwert. Vor allem Hafer, aber auch Roggen konnten angebaut werden. Typisch ist, das unter solchen Mittelgebirgs-Bedingungen die Kartoffel früh eingeführt wurde. Schon 1774 wird die Kartoffel für Scheuerheck erwähnt.

An der Fassade sehen Sie die eng gesetzten Ständer und Riegel, alle dicker als erforderlich. Am Giebel, der zur Straße weist, sind die Balken ausgeschmückt mit eingeschnittenen Kehlen. Auch die Balkenköpfe sind verziert und auch der Türsturz deutet auf einen stolzen Bauherren.


Herdraum

Wenn Ihnen von außen das reiche Fachwerk aufgefallen ist, werden Sie sich nun wundern, wie beengt man in dem Haus wohnte. Die Enge wird besonders deutlich, wenn man sich vor Augen führt, das zwei Fünftel des Hauses Stall sind.

Zum Wohnen standen nur der Herdraum zur Verfügung und die dahinter liegende Stube. Die Stube ist zugleich Schlafkammer. Archaisch war die Heizung: Das Feuer wurde direkt auf dem Boden gelegt und zwar vor die eiserne Takenplatte. Diese Eisenplatte ist in die Wand zur Stube eingelassen. Das Feuer erhitzte die Platte, und sie gab die Wärme an der anderen Wandseite in die Stube ab. Diese Heizung war in der Eifel sehr häufig. Denn sie erspart es, ein zusätzliches Feuer in der Stube zu haben. Das Prinzip ist hier aber recht primitiv ausgeführt. Die später Verfeinerung dieser Heizungsform können Sie im Haus aus Bodenbach besichtigen, es trägt die Nummer 15.

Eine eigenwillige Lösung, die jünger ist als die Art des Herdes, ist der Backofen. Links neben dem Herdplatz können Sie in der Außenwand das Ofenloch des Backofens sehen. 1774 wurde der Ofen von außen an das Haus angemauert. Beheizt wurde er wie alle anderen Backöfen dieser Zeit: Man legte in ihm ein Holzfeuer, das die Steine aufheizt. War der Ofen heiß genug zum Backen, wurde er ausgekehrt. Die Asche fiel dabei auf den Boden des Hauses, wo sie sich zur Asche aus dem Herdfeuer gesellte.


Stube

Dass sie, wie Stuben in Mittelgebirgshäusern allgemein, unterkellert ist, ist ihnen sicher schon aufgefallen. Denn die Stube liegt höher als der Herdraum und muss über Stufen betreten werden. In der Wandnische gegenüber der Tür hängt ein religiöses Vexierbild, das je nach Blickwinkel Maria, Joseph oder Jesus zeigt. Es ist natürlich kein Altar, aber im Alltag bildete es den Platz zum Beten.

Offensichtlich war der Erbauer dieses Hauses wohlhabend, und doch hatte er ein kleines Haus. Es wird deshalb vermutet, dass hier ein Junggeselle wohnte. Alleinstehend zu leben ließ sich aber kaum mit der bäuerlichen Wirtschaft vereinbaren. Ein Bauer mochte nicht auf die Arbeitskraft von Frau und Kindern verzichten. Außerdem konnte er seinen Status in der Dorfgemeinschaft nicht bewahren, wenn er ohne Nachkommen blieb. Für vorindustrielle Zeit ist ein Junggeselle, der sich mit dem Hausbau auf seine Einsamkeit festlegt, eigentlich nur mit religiösem Eifer oder beruflichem Zölibat erklärbar. Die genaue Wahrheit

über die Erbauer kennen wir nicht.


Haus aus Binzenbach

Das Haus aus Binzenbach ist aus einem Wohnflügel und einem Scheunenflügel im rechten Winkel gebaut und stand in einem Seitental der Ahr. Das Dorf Binzenbach gehörte dort zu einer kleinen Besitzung des Kurfürstentums Köln, umgeben von Dörfern, die anderen Landesherren gehörten. Die Zugehörigkeit eines Dorfes oder auch nureines einzelnen Bauern entschied darüber, an wen man die Abgaben und Steuern zu zahlen hatte. Der Kurfürst von Köln hatte an den Binzenbachern aber keine große Freude, denn ihre Böden waren schlecht.

Es gab nur eine relativ geringe Ernte, so dass auch der Anteil für das Kurfürstentum bescheiden blieb. Zumal zunächst der Pfarrer von Binzenbach und das Stift Münstereifel ihren Zehnten bekamen. Der Besitzer des Hofes konnte also von seiner Landwirtschaft nur schlecht leben. Viele arme Bauern der Mittelgebirge, auch in der Eifel, ergriffen ein Handwerk, das sie nebenher zur Landwirtschaft ausüben konnten. Der Verkauf der Gegenstände, die sie herstellten, half beim Überleben. Gefertigt wurden aber nur Waren des täglichen Bedarfs, die letztlich von Nachbarn gekauft wurden. Im Museum beherbergt der Hof aus Binzenbach deshalb die Werkstatt eines Holzschuhmachers.


Herdraum: Leichenschmaus

Hier, im Lebens-Zentrum eines Bauernhauses, sehen Sie sich mit Trauer und dem Tod konfrontiert. Im 20. Jahrhundert haben wir das Sterben an die Krankenhäusern, den Tod in die Leichenhallen und die Trauer auf den Einzelnen abgeschoben. Doch gerade im ländlichen Raum war noch um 1890 der Tod Teil des Lebens und wurde im Haus betrauert, in dem der Tote gewohnt hatte. Die Verwandten und Nachbarn halfen den Trauernden mit Stühlen für die Trauergäste aus. Denn nach der Beerdigung gehörte für alle der Totenkaffee zum Ritual. Er vereinigte die Trauernden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nicht nur die Betreuung des Leichnams „hygienisiert“. Auch der Totenkaffee wurde ins Gasthaus verlegt. Seitdem betreten die Trauernden bei ihrer Rückkehr vom Friedhof eine leere Wohnung.


Kammer: Aufbahrung

In der Kammer ist ein Toter aufgebahrt. Er war hier gestorben, in seiner Schlafkammer, weniger von Ärzten betreut, als von seinen Angehörigen. Nach seinem Tod wurde im Aufbahrungszimmer die Totenwache abgehalten. In manchen Gegenden war diese stille Nachtwache neben dem Toten noch von heidnischen Vorstellung geprägt. Zum Beispiel sei die Seele in den ersten Stunden nach dem Tod an den Leichnam gebunden und müsse bewacht werden, damit sie nicht Unheil über die Lebenden brächte. Meist aber war diese „Bewachung“ des Toten durch christliche Fürbitte abgelöst.

In jedem Fall gehörte diese vielstündige Begegnung mit dem Leichnam in das Leben fast jeden Menschens. Sie hatte auf ihn eine prägende Wirkung.

Die Totenwache wurde nicht selten von einem Nachbarn gehalten. Hingegen fiel den Nachbarn die Aufgabe zu, den Körper des Toten zu waschen und in das Totenhemd zu kleiden. Diese Nachbarschaftshilfe ersparte den Hinterbliebenen, den Leichnam berühren zu müssen. Ins Totenhemd gekleidet, in der Eifel auch mit verhülltem Gesicht, lag der Verstorbene dann auf dem Schoof, einem mit Stroh ausgelegtem Holzbrett zwischen zwei Stühlen vor dem Bett. Hier ging die Prozession der Abschiednehmenden an ihm vorbei.


Holzschuhmacherwerkstatt

Die Wände der Holzschuhmacherwerkstatt sind an allen Seiten mit Regalen behängt, in denen die Löffelbohrer und Stemmeisen aufbewahrt werden, die der Handwerker benötigte. Aus dem groben Holzklotz - bevorzugt Pappelholz - wurde zunächst der Schuhumriss zugesägt und dann mit einem Zieheisen rundgehobelt. Dann kamen die speziell geformten Löffelbohrer aus den Regalen zum Einsatz. Mit einem Bohrer nach dem anderen, je nach Arbeitsfortgang und Größe des Schuhes, wurde der Holzschuh innen ausgehöhlt, damit der Fuß darin Platz fand.

Es gab auch Holzschuhe, die nur eine Sohle aus Holz hatten, an die ein Oberleder angenagelt wurde. Dann konnte sich der Holzschuhmacher das mühselige Aushöhlen eines Holzklotzes sparen. Für denjenigen, der damit ging, war ein solcher Schuh auch leichter. Doch egal, ob aus einem Stück gefertigt, oder ob mit Leder kombiniert: In keinem Holzschuh konnte der Fuß beim Gehen abrollen. Auf Pflaster trat man mit den Holzsohlen sehr hart auf, und passte der Schuh nicht richtig, rutschte er schnell vom Fuß. Trotzdem war der Holzschuh auch in der Eifel lange Zeit der wichtigste Schutz für den Fuß. Denn auf weichem Acker- oder Gartenboden, auch auf Wiesen, geht man mit Holzsohlen erstaunlich gut.


Haus aus Straßfeld

Straßfeld ist ein Dorf in der Ebene um Euskirchen, einer sehr fruchtbaren Landschaft, in der verschiedene Grundherren Land besaßen. Dieses Land wurde an die Bauern verpachtet. Um die Pacht einzuziehen und über das Tun und Lassen der Pächter zu wachen, hatten die Grundherren die sogenannten Schultheißen in ihre Dienste genommen: Steuereintreiber und Verwaltungsbeamte in einem. Ein Schultheiß war zugleich selbst Bauer auf Pachtland. Er erhielt einen besonders großen Hof, auf dem er neben seiner eigenen Ernte auch die Abgaben der anderen Bauern lagern konnte. Vom Schultheißen-Hof aus Straßfeld ist nur das Wohnhaus ins Museum übernommen worden. Eine Zehntscheune für die Abgaben können Sie aber gegenüber sehen.


Herdraum

Gemessen an der Größe des Hauses ist dieser Raum sehr groß. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass dieses Haus kein ganzer Bauernhof war, sondern nur das Wohnhaus des Schultheiß. Dafür hatte es aber zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, die eine normale Bauernfamilien nicht kannte. Das Haus des Schulheißen war nicht nur seine Wohnung, sondern auch sein Arbeitsplatz als Verwalter des Grundherren. In diesem großen Herdraum lebte nicht nur die Familie, es fanden auch Zusammenkünfte statt: Die Abgaben wurden abgerechnet und nach dem jährlichen Dorfgericht mussten hier die Obrigkeit bewirtet werden. Dann kam auch ein Vertreter des Grundherren. In Straßfeld war dies ein Mönch. Denn Straßfeld gehörte dem Antoniterkloster von Köln.


Zehntscheune aus Sechtem

Sechtem liegt in der Rheinniederung zwischen Bonn und Brühl und war zentraler Ort für die Besitzungen des Damenstiftes Dietkirchen. Die Stiftsfrauen bauten hier deshalb eine Scheune, in der die Abgaben ihrer Bauern gesammelt wurden:

Die Zehntscheune für den sogenannten Zehnten. Vom Mittelalter bis in das achtzehnte Jahrhundert blieb es dabei, dass die Bauern ihre Pacht nicht mit Geld zahlten, sondern mit ihrer Ernte. Zur Zehntscheune lieferten die Bauern ihren Zehnten in Form von Getreidegarben, direkt vom Feld. Hier wurden die Garben gelagert und das Getreide auch gedroschen. Und von hier aus wurde dieses Getreide dann schließlich zum Damenstift Dietkirchen gebracht - für den Eigenbedarf - oder aber verkauft.


Sägemühle aus Niederweis

Genutzt wurden Wind- und Wasserkraft ursprünglich vor allem zum Mahlen von Getreide. Das Wort Mehl kommt vom Wort Mahlen, dem Zermahlen der Getreidekörner. Viele der sogenannten „Mühlen“ in vorindustrieller Zeit zermahlten überhaupt nichts, sondern trieben Maschinen an: ›Mühle‹ war der allgemeine Name für einen Mechanismus, der die Kraft von Wind oder Wasser auf schwere Geräte übertrug. Neben den Mahlsteinen konnten das auch große Hämmer sein. Sie wurden von einer Nockenwelle angehoben und fielen dann durch ihr Eigengewicht auf den Amboss. Es gab auch komplizierte Getriebe, die die Drehbewegung in ein Auf und Ab zum Beispiel für ein Sägegatter umsetzten. So einem Fall stehen Sie hier gegenüber.

In Niederpleis zersägte diese Mühle die gefällten Bäume zu groben Brettern und Balken, die dann von den Zimmerleuten und Tischlern verarbeitet werden konnten. Oft hatte der Bau einer Mühle aber weniger wirtschaftliche Ziele, als einen machtpolitischen Grund: In den sogenannten Pulvermühlen wurden Salpeter, Holzkohle und Schwefel zu Schwarzpulver vermahlen - dem über Jahrhunderte gefährlichsten Stoff Europas.


bei der hinteren Luke

Wenn Sie durch die untere Türe in das Gebäude hineinschauen, erkennen Sie im Innern der Mühle das sogenannte Sägegatter: Das ist ein Holzrahmen, in dessen Mitte senkrecht das Sägeblatt eingespannt ist, um es zusammen mit dem ganzen Rahmen auf und ab bewegen zu können. Beim Zersägen des Baumstammes wird der Stamm von einem Wagen langsam gegen diese Säge gedrückt. Wenn das Sägeblatt vom Getriebe des Mühlrades nach unten gezogen wird und in das Holz schneidet, wird auch der Wagen mit dem Baumstamm vom Mechanismus ein Stück gegen die Säge bewegt. Hinter dem Sägegatter kommen dann Stück für Stück das Brett hervor, das vom Stamm abgetrennt wurde.

Um aus dem runden Baumstamm möglichst viele nutzbare Stücke gewinnen zu können, wurde der Stamm in mehreren Arbeitsschritten von verschiedenen Seiten Stück für Stück aufgetrennt. Der erste Arbeitsschritt war dabei, eine Schnur über den Stamm zu spannen, die mit Kreide bestäubt war. Ließ man diese Schnur auf die Rinde schlagen, bekam man einen weißen Kreidestrich, der genau schnurgerade war. Entlang dieser Linie wurde dann der Stamm zersägt. Nach dem ersten Schnitt holte man den Baumstamm wieder nach vorne vor das Sägeblatt, drehte ihn und machte einen neuen Kreidestrich für den nächsten Schnitt, und so ging es weiter.


Gerichtssäule aus Kommern

Die Gerichtssäule aus Kommern diente als Herrschaftszeichen: Sie zeigte an, dass in Kommern das Ortsgericht zuständig war. Solche Zeichen waren wichtig. Denn gerade die Frage der Zuständigkeit und des gültigen Rechts entschied manchmal über den Ausgang eines Verfahrens. Allerdings spielte bis in das 19. Jahrhundert die staatliche Justiz eine geringere Rolle, als die Selbstgerichte der

Bauern. Sie wurden oft zu Geheimgerichten, zur Feme, wenn der Landesherr seine Gerichtsbarkeit durchsetzen wollte. Auch wenn das gelang, war die größte Strafe für ein Vergehen meist die Reaktion der Nachbarn. Was für den Landesherren und die Justiz ein schwerer Rechtsbruch war - typischerweise das Wildern - konnte unter den Dorfbewohnern sogar Hochachtung genießen. Umgekehrt hielt die Justiz oft Taten für banal, die dem Missetäter im Dorf das Leben zur Hölle machen konnten.

Vor allem sexuelle Verfehlungen wurden noch im 19. Jahrhundert von den Dorfbewohnern selbst geahndet, zumal die staatliche Justiz meist keinen Vorwurf erhob oder aus dem Dorf keine Zeugen bekam. Dass dabei die Frauen weit eher die Opfer wurden, als die Männer, versteht sich: Die alte Moral folgte den alten Machtverhältnissen. Die Mächtigen des Dorfes - die Männer - sprachen sich ihr eigenes Recht.


Bauernstein aus Brenig

Was zunächst wie ein Stück Natur, ein Findling vielleicht aussieht, ist von größter gesellschaftlicher Bedeutung gewesen. Denn am Sonntag nach der Kirch-Messe wurden an diesem Stein neue Vorschriften oder herrscherliche Beschlüsse verkündet - zum Beispiel eine neue Steuer oder eine Mahnung,

den Wald zu schonen, vielleicht auch eine Warnung gegen Wilderer, die unter den Einwohnern vermutet wurden. Über Jahrhunderte war das öffentliche Ausrufen eines Erlasses ein klar geregelter Rechts-Akt.

In großen Städten, durch die viele Reisende gelangten, mussten manche Beschlüsse mehrere Wochen hintereinander bekannt gemacht werden, bevor sie rechtsgültig wurden. In einem Dorf hingegen waren beim Kirchgang alle Einwohner versammelt.