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21. Juli 2011 bis 30. März 2012
Die Ausstellung im Handwerkerhaus Henkel
50 Jahre Eröffnung des LVR-Freilichtmuseums Kommern
Unseren Blog zur Ausstellung finden Sie hier.
Flyer Verborgene Schätze (pdf, 2500 kB) zum Download
Im Jubiläumsjahr hebt das LVR-Freilichtmuseum nun verborgene Schätze: Viele Objekte aus den Sammlungsbeständen der letzten 50 Jahre können nicht in den historischen Gebäuden gezeigt werden, da die klimatischen Bedingungen oder die Sicherheit nicht gewährleistet sind. Diese "Schätze" lagern als Zeugnisse der Vergangenheit in den Museumsmagazinen.
Die ausgewählten Exponate - einige besonders kostbar - erzählen vom Alltagsleben der Rheinländerinnen und Rheinländer. Es sind Gegenstände aus dem Handwerk, der Land- oder Hauswirtschaft sowie Zeugnisse der Lebensverhältnisse oder etwa der Einstellung zu Leben und Tod. Menschen aus dem Rheinland haben sie gefertigt, von ihnen gelebt und mit ihnen ihr Leben bestritten.
Kunstvolle handwerkliche Einzelstücke, einfache Gebrauchsdinge des Alltags sind unter den Objekten ebenso zu finden wie Details an den Gebäuden des Museums oder auch Gegenstände, deren Gebrauch uns heute nicht mehr bekannt ist. Sie repräsentieren 50 Jahre Sammlung des Rheinischen Landesmuseums für Volkskunde wie auch 50 Themen der Alltagsgeschichte des Rheinlandes. Dabei spannt sich der Bogen von den Zeugnissen des 16. und 17. Jahrhunderts bis hin zu den 1950er Jahren.
Die "Verborgenen Schätze" sind sowohl auf dem Museumsgelände als auch im Ausstellungsgebäude Handwerkerhaus Henkel zu entdecken.
Im Zentrum der Präsentation stehen fünf besonders herausragende Objekte:
Seit der Museumsgründung lag ein Sammlungsschwerpunkt auf keramischen Produkten aus dem Rheinland. Die "Siegburger Schnellen" (hohe, schlanke Trinkgefäße) stehen in der Ausstellung stellvertretend für die vielen Keramikerzeugnisse aus Siegburger Herstellung seit dem Mittelalter. Die begehrten Gefäße aus dem Rheinland wurden über Köln in die ganze damals bekannte Welt verhandelt.
Die Geschichte des Schützenvogels führt uns in die frühe Neuzeit, in der sich die Bürger der Städte zu Bruderschaften zusammenschlossen, um ihre Stadt im Notfall zu verteidigen. Sie sind Ursprung der Schützenbruderschaften, die bis heute ihre Bräuche pflegen, zu deren Elementen unter anderem der Schützenvogel gehört.
Ein frühes Zeugnis der Buchdruckerkunst ist das Kräuterbuch von 1543, ein reich illustriertes Buch über Bäume, Stauden und Kräuter mit über 800 kolorierten Textholzschnitten. Die Beschreibung von Zubereitung und Wirkung der Kräuter erlaubt einen Einblick in die Volksmedizin des 16. Jahrhunderts.
Der Hobel ist das Werkzeug des Schreiners, mit dem er unebene Flächen glättet sowie Nut und Feder zum Zusammenführen der Hölzer herstellt. Unter der Vielzahl von Hobeln in der Sammlung ragen einige besonders verzierte Stücke heraus. Sie stammen meist aus dem 18. Jahrhundert und zeugen neben Handwerkskunst und Geschick von einer hohen Wertschätzung des Geräts wie auch der handwerklichen Arbeit.
Das fünfte Objekt führt uns in die Lebenswirklichkeit vieler Menschen im 19. Jahrhundert: Das Haarbild aus den Haaren eines verstorbenen Kindes verweist auf die Kindersterblichkeit und den Totenbrauch. Der Tod eines Kindes war allzeit gegenwätig - auch im übertragenen Sinn als Bild an der Wand.
Eine Vielzahl weiterer Themen wird anhand von Möbelstücken aus dem 17. und 18. Jahrhundert, Objekten aus der Jahrhundertwende, Spielzeug aus der großen Spielzeugsammlung, Einrichtungsgegenständen aus den 1950er Jahren und anderen Exponaten aufgegriffen, die allesamt verdeutlichen, dass die vermeintlich stummen Zeugen der Vergangenheit viel zu erzählen haben.
Nur drei Jahre nach der Gründung 1958 wurde das LVRFreilichtmuseum Kommern am 20. Juli 1961 als "Rheinisches Freilichtmuseum" feierlich eröffnet. Neben der Bockwindmühle aus Spiel konnten bereits elf Baudenkmale in der Baugruppe "Eifel/Eifelvorland" besichtigt werden. Die Kapelle aus Schützendorf, der Hof aus Scheuerheck, der Stall aus Breidscheid sowie das Haus aus Kessenich waren bereits fertiggestellt, andere, wie der Streckhof aus Binzenbach, befanden sich im Bau.
Weitere Gebäude und Hauslandschaften kamen hinzu: Ab 1964 die Baugruppe Westerwald/Mittelrhein, gefolgt von der Windmühle aus Cantrup und ab 1972 die Baugruppe Niederrhein. Die Baugruppe Bergisches Land wurde 1981 für das Publikum geöffnet.
Von Beginn an verstand sich das Museum als zentrale Sammelstelle der Sachgüter der rheinischen Volkskultur. Parallel zum Aufbau der Gebäude wuchs der Bestand an Exponaten und Sammlungen; das erste Hauptmagazin entstand 1963/64. Als erste große Ausstellung wurde 1968 in der neu erbauten Ausstellungshalle "Volkskunst im Rheinland" eröffnet. 1969 erhielt das Museum den Namenszusatz "Landesmuseum für Volkskunde". Die erste Spielzeugsammlung mit dem Titel "Puppen und ihre Welt" wurde 1971 gezeigt; heute - 40 Jahre später - präsentiert das LVR-Freilichtmuseum unter dem Titel "Schöne kleine Welt" die immens gewachsene Sammlung erneut.
In den Jahren 1975-1977 wurden drei Ausstellungspavillons errichtet, 1994 kam das Handwerkerhaus Henkel dazu. Eine eigens für die Dauerausstellung "WirRheinländer" erbaute Halle entstand 2006. Insgesamt präsentierte das Museum seit 1968 über 50 Ausstellungen.
