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Die Mode ist ein Zeichensystem. Wie die Sprache ist sie Träger von Botschaften. Mode gibt Auskunft über die Vorstellungen der Menschen von ihrem Körper und über die Einordnung des Einzelnen in seiner Umwelt. Der historische Wandel der sozialen Strukturen veränderte dementsprechend auch die Kleidungsgewohnheiten.
Während unter Mode im Bereich der Kleidung die aktuell geltende Art sich zu kleiden und sich zu frisieren gemeint ist, versteht man unter Tracht eine standardisierte Form der Bekleidung. Die Tracht grenzt soziale und regionale Gruppen gegeneinander ab, etwa Bauern von Handwerkern, Bayern von Schwaben. Das gemeinsame Tragen der Tracht bringt Gemeinschaft und zeitlose Beständigkeit zum Ausdruck. Die Mode hebt dagegen trotz einer gewissen Gleichheit die individuelle Persönlichkeit hervor. Wenn der Schnitt auch in einer Modeströmung gleich ist, so sind durch die Variation der Farben, die Auswahl des Stoffes und letztlich durch die Erscheinung der Trägerin unzählige Kleidungsvariationen möglich.
Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert sorgten Kleiderordnungen dafür, dass die Menschen die ihnen gesetzten gesellschaftlichen Grenzen nicht überschritten. Sie legten fest, wer welche Stoffe, welche Farben, welchen Aufputz tragen durften Königen war Purpur und Hermelin vorbehalten, Spitzen und Seide durfte nur vom Adel und wohlhabenden Bürgern getragen werden. Die soziale Zugehörigkeit galt als gottgegeben. Das Zeitalter der Aufklärung und die französische Revolution machten diese Vorstellungen zunichte. In der darauf folgenden Zeit öffnete sich die Mode allmählich für immer breitere Kreise der Bevölkerung.
Europa war um 1800 in einer Zeit der großen Umwälzungen. Die französische Revolution hatte die europäischen Staaten in ihren Grundfesten erschüttert. Mit dem Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit war das alte Ständesystem mit seinen Abhängigkeiten von Kirche und Adel aufgelöst worden. Napoleon eroberte nach und nach ganz Europa.
In der Mode kam es zu einer Rückbesinnung auf die antiken Ideale. Es war eine Gegenbewegung zur Mode des Ancien Régime, wo Stofffülle und Exklusivität der Kleidung und der Frisuren übertrieben wurden. Bereits 1804, dem Jahr der Kaiserkrönung Napoleons, erreichte die Mode à la grecque in Frankreich ihren Höhepunkt und war bis 1815 in ganz Europa verbreitet. Sie bestand aus einem hemdähnlich geschnittenen Kleid. Unter der Brust verlief die hochgezogene Taille, die entweder mit einer Kordel oder einer einfachen Naht abge-trennt wurde. Das Dekolleté fiel entsprechend groß aus. Die Ärmel waren entweder kurz oder fielen ganz weg. Der Stoff bestand aus einem dünnen, meist weißen und transparenten Gewebe. Der raffinierte Schnitt ließ den Rücken schmal und elegant erscheinen.
Um den hauchzarten Effekt der Chemisekleider zu unterstützen, wurde leichter Musselinstoff aus der irakischen Stadt Mosul verwendet, der meist aus Baumwolle bestand. Es wurde auch feines Batist aus Leinen für die Kleider gebraucht. Die Kleider wogen oft nicht mehr als 250 Gramm. Unter dem Chemisekleid wurde ein fleischfarbenes Trikot getragen, oder in Deutschland meist dünne Unterkleider in zarten Farben. Mit der Zeit wurden die Kleider farbiger und verloren etwas von ihrer Transparenz. Die hauchdünnen Kleider boten kaum Schutz vor Kälte, so dass Schals aus Kaschmir und große Tücher aus leichtem Gewebe um die Schulter gelegt wurden. Als Jacken waren so genannte Spencer in Mode, kurze Bolero ähnliche Jacken mit und ohne Ärmel. Die Schuhe waren zierlich und spitz und hatten meist keinen Absatz.
In der Zeit des Empire waren die Frisuren entgegen den aufwendigen Haarkunstwerken des Ancien Regime möglichst natürlich. Sie waren nicht streng gelegt, sondern das Haar umspielte mit Strähnen und Locken das Gesicht. Perücken und Haarteile blieben jedoch in Mode.
Die Mode der Herren war ebenso körperbetont wie die der Frauen. Die Hosen waren lang und eng anliegend. Auch beim Mann war die Taille hochgerutscht und vollständig zu sehen, denn die Westen und der Rock waren vor der Brust ausgeschnitten. Natürlich waren die alten Haarmoden, der Zopf, verschwunden und man trug kurze Haare nach römischem Vorbild, à la Titus.
Wie weit die städtische Mode sich auch auf dem Land durchsetzte, lässt sich nicht ermitteln. Die zarten Stoffe waren sicher nicht für die Kleidung der Frauen geeignet, die mit ihrer Arbeit zum Lebensunterhalt der Familie beitrugen. Der Schnitt der Kleidung, etwa die hochgezogene Taille und der weiche, den Körper mehr betonende Schnitt, setzten sich hier jedoch durch, da die Kleidung wesentlich bequemer war.
Mit dem Wiener Kongress 1815 wurden die Staaten in Europa neu geordnet. Die Versuche, die „alte Ordnung" wieder herzustellen, das monarchische Prinzip zu stärken und durch eine Solidarität der Monarchien den revolutionären Tendenzen entgegenzuwirken, scheiterten. Durch den raschen Fortschritt in Technik und Wirtschaft bildete sich eine vermögende und gebildete Schicht von Bürgern heraus, die an den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen teilnehmen wollten. An die Stelle der höfischen Gesellschaft trat das Bürgertum, welches das Gesellschaftsbild prägte. Andererseits verarmten durch das starke Bevölkerungswachstum und durch die Mechanisierung vieler Arbeitsprozesse immer mehr Menschen.
Erstmals wurden durch Damen-Journale Kleiderschnitte und Modetrends in ganz Europa verbreitet. Es gab zum ersten Mal eine dominante „Haute Couture", der sich die einflussreichen Damen der Gesellschaft beugten.
Das Frauenbild dieser Zeit sah die Frau als beschützenswertes Wesen, das zart ist und um-sorgt und geschützt werden muss. Ihr Wirkungskreis wurde immer mehr in den häuslichen Bereich zurückgedrängt. Im Haushalt fand sie ihre Erfüllung, dort sorgte sie vor allem für die Ausschmückung des Heimes und die familiäre Wärme. Mit ihrer Kleidung repräsentierte sie die soziale Stellung des Mannes.
In der frühen Phase der Mode des Biedermeiers bewegte sich die Taille nach und nach an ihren natürlichen Platz zurück. Der Rocksaum wurde kreisrund und mit Rüschen versehen. Die Röcke wurden weiter und die Taillen schmäler, auch die Korsetts kamen wieder in Mode. Die Ärmel rückten wieder ins Blickfeld, sie wurden oben gepufft und mit Rüschen verziert. Das Dekolleté wurde der Form angepasst und war nicht mehr so tief. Denn nach der Offenherzigkeit der Jahrhundertwende wurde man nun wieder prüde. Diese Entwicklung erreichte um die Jahrhundertwende ihren Höhepunkt. Der sich im Laufe der Jahre vergrößernde Ärmelumfang erreichte mit dem so genannten Hammelkeulenärmel seinen Höhepunkt.
Auch die Stoffe verändern sich. Neu sind die Farben und ihre Kombinationen sowie die Muster und Motive, die ab 1830 immer vielfältiger wurden. Besonders beliebt waren im Biedermeier Baumwollstoffe, daneben wurde Satin, Wollmusselin, Seide, aber auch Samt, Damast und Brokat verwendet.
Als Hüte kamen die Kapotthüte in Mode, unter denen man zu Schnecken gerollte Zöpfe über den Ohren und glatte, aus dem Gesicht gekämmte Haare trug, allenfalls fiel eine Schillerlocke in die Stirn. Der Kapotthut mit seinen großen, fast waagerechten Krempen machte es unmöglich nach rechts oder links zu sehen. Wie die Kleider waren auch die Hüte mit Blumen und Schleifen verziert. Als Schuhe trug man auch weiterhin kleine Seidenschuhe, die mit Bändern zugebunden wurden.
Auch die weniger begüterten Gesellschaftsschichten hatten Anteil an den Modeneuheiten, denn die Textilindustrie erlebte durch die einsetzende Industrialisierung besonders in England einen Aufschwung. Es waren vor allem die Frauen, die an dieser Entwicklung teilhatten. Neben den Dienstleistungen stand die Kleidungsherstellung an zweiter Stelle der Beschäftigung von Frauen. Nachdem der mechanische Webstuhl, der 1784-86 von Edmund Cartwright in England entwickelt wurde, bald mit Dampfkraft angetrieben wurde und 1805 von Joseph-Marie Jacquard der Musterwebstuhl (Jacquardweberei) erfunden worden war, konnten die Textilien immer preiswerter hergestellt werden. Fast jede Frau konnte nähen. Nach der Erfindung der Nähmaschine in der Mitte des Jahrhunderts durch den Amerikaner Isaac Singer, wurde auch die Herstellung der Kleidung immer leichter. Viele der neu entstandenen Tätigkeiten wurden von Frauen in der Textilindustrie ausgeführt. In Paris wurde das erste große Konfektionshaus, La Belle Jardinière, von Pierre Parissot 1824 gegründet und 1839 begann Valentin Manheimer in Berlin mit der Konfektion von Damenmänteln. Neue Berufe, wie die Konfektionsverkäuferin entstanden und beeinflussten die Verbreitung von Mode nachhaltig.
Nach der gescheiterten Revolution von 1848 erstarkten die alten politischen Konzepte. Die Ideale der Französischen Revolution spielten in der deutschen Politik zunächst keine Rolle mehr. In dieser Zeit wurde die Frau immer mehr in den häuslichen Bereich zurückgedrängt.
Ihre Kleidung symbolisiert diese Entwicklung eindrucksvoll. Weite unpraktische Röcke, die der Frau kaum Bewegungsmöglichkeiten gaben, blieben in Mode. Die Röcke wurden seit den 1840er Jahren so weit, dass sich die Frauen der besseren Gesellschaft kaum die Hände reichen konnten. Ein Rocksaum konnte bis zu 10 Metern messen. Diese übergroßen Röcke wurden durch die Krinolinen, eine Art steifer Unterrock aus Rosshaar und Leinengewebe, in Form gehalten, die durch Fischbeinstäbchen verstärkt und zusätzlich mit zahlreichen Unterröcken getragen wurden. Durch die Unterkleidung trugen die Frauen oft 10 Kilogramm mit sich herum. Die Krinoline aus Stahlreifen brachte eine gewisse Erleichterung. Während die Röcke an Umfang zunahmen, wurden die Oberteile immer enger. Um eine Wespentaille zu erhalten, schnürten sich die Frauen extrem ein. Pagodenärmel wurden modern, die bis zum Ellenbogen eng waren und dann in Tütenform aufsprangen. Die Bewegungsfreiheit der Frauen war in solchen Kleidern stark eingeschränkt. Dazu trug die Frau Schnürstiefeletten mit Absätzen. Neben den Kapotthüten waren Rüschenhauben und Strohhüte mit Blumen und Schleifen verziert in Mode.
Die Männerkleidung wurde dagegen dunkler, schlichter und unauffälliger. Man trug nun lange Röcke und schmale Röhrenhosen. Die Westen verloren an Farbe und aufwendiger Ver-arbeitung, ebenso wurden die Schleifen dezenter. Die Männerwelt stellte sich in ihrer Kleidung als rational handelnde, zielstrebige Erfolgsmenschen dar, die keine Verspieltheiten zuließen.
Die Industrialisierung schritt weiter voran. In Deutschland entstand nach dem Sieg gegen Frankreich das deutsche Kaiserreich unter Wilhelm I (1871). Der preußische Herrscher prägte durch den erstarkten Nationalismus die deutsche Gesellschaft. Preußische Tugenden gepaart mit einem starken wirtschaftlichen Aufschwung gaben der bürgerlichen Gesellschaft ein starkes Selbstbewusstsein. Gegen Ende des Jahrhunderts gingen die Frauen erstmals auf die Straße und setzten sich gegen die Unterdrückung und Bevormundung durch die Männer zur Wehr. Sie erkämpften sich den Zutritt zu Universitäten und forderten die wirtschaftliche und soziale Gleichstellung.
1858 hatte der Engländer Charles Frederick Worth in Paris sein eigenes Modehaus gegründet. Er stellte dort seine eigenen Modeentwürfe vor und wurde bald die erste Adresse in Modefragen. Er war Hoflieferant der Kaiserin Eugenie und der Königin Viktoria und damit tonangebend in Fragen der Mode. Worth war kein anonymer Dienstleister mehr, sondern stellte halbjährlich seine Modekreationen im eigenen Hause vor, die von jungen Mannequins vorgeführt wurden. Ihm gelang es, seine Begabung so geschickt zu vermarkten, dass er zum konkurrenzlosen Herrscher über den Modestil der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde. Die Haute Couture bestimmte fortan die Modeentwicklung.
Nachdem um 1860 die größte Ausdehnung der Krinolinen erreicht war, wurden die Röcke schmäler und kürzer. Der Schwerpunkt der weiblichen Figur verschob sich langsam nach hinten. Die Tournüren, ein ausladendes Metallgestell über dem Hinterteil, entstand. Über sie wurde der Rock gerafft und üppig drapiert. Die Tournüre wurde auch durch ein Rosshaarpolster gebildet, das in die Falten des Rocks gesteckt wurde. Die Röcke wurden nun oft aus zwei verschiedene Stoffen hergestellt. Die Oberteile waren oft andersfarbig.
Tagsüber war das Oberteil im Winter wie im Sommer immer hochgeschlossen. Ein Dekolleté war nur in der Abendmode üblich. Die Frisuren entsprachen dem Gesamtprofil der Frauen und waren am Hinterkopf teilweise mit Haarteilen kunstvoll hochgesteckt.
In den 1870er Jahren änderte sich die Silhouette, die Röcke wurden schmäler und die Hüften der Frauen standen im Vordergrund. Eine sehr schlanke Kleiderform entstand, in dem die Vorderteile gerader, glatter und länger wurden. Um 1880 kam die Tournüre jedoch wieder in Mode. Da die Kleider schmal blieben, setzte die Tournüre sehr abrupt am Rücken an. Es entstand keine fließende Silhouette.
Die Männermode wandelte sich in dieser Zeit kaum. Der Gehrock mit seinen langen Schößen blieb ebenso modern wie der Frack zur Abendgesellschaft. Schwarz und grau waren die vorherrschenden Farben in der Männerkleidung. Mit dem Erstarken des Militarismus trat die Uniform jedoch verstärkt in den Vordergrund. Der blaue preußische Offiziersrock spielte im gesellschaftlichen Leben eine immer größere Rolle.
Gegen Ende des Jahrhunderts wurden die Stimmen lauter, die sich gegen die Zwänge und ungesunden Auswüchse der weiblichen Kleidung aussprachen. Ärzte und Frauenrechtlerinnen forderten eine Kleidung, die dem weiblichen Körper angepasst sei, Bewegungsfreiheit ermögliche. Das Korsett wurde als „modernes Folterinstrument" abgelehnt.
Der Beginn des 20. Jahrhunderts war durch die wachsende Mobilität gekennzeichnet. Mit dem Fortschritt der Industrialisierung verbanden Eisenbahnlinien auch entfernte Regionen miteinander, die ersten Autos wurden in größeren Stückzahlen produziert. Deutschland nahm an dem technischen Fortschritt teil und bemühte sich mit den anderen Großmächten mitzuhalten. Man strebte den Erwerb von Kolonien an. Die Marine wurde besonders stark vom deutschen Kaiser gefördert. Der Erste Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt in diese Entwicklung. Nachdem der Krieg verloren war, veränderte die Revolution von 1918 das politische Leben grundsätzlich.
In der Frauenmode vollzogen sich entscheidende Wandlungen. Die Kleidung wurde funktionaler, da Frauen immer mehr am öffentlichen Leben teilnahmen, Berufe ausübten und Sport trieben. Schlichte Linien gefielen zunehmend und verdrängten die bombastischen Gewänder.
Das Korsett verschwand jedoch nicht von einem Tag auf den anderen. Auch wenn Kleiderreformer gegen die den weiblichen Körper verunstaltende Mode kämpften, wurden die von ihnen propagierten Sackkleider allgemein abgelehnt. In England hatte der berühmte Vertreter der Arts-and-Crafts Bewegung William Morris ebenso wie die Jugendstilkünstler Gustav Klimt und Henry van der Velde Kleider entworfen, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Neue Impulse für die Mode vermochte erst Paul Poiret der Mode zu geben. Er richtete eine Werkstatt für angewandte Kunst ein, in der neben der Kleidung auch Stoffe, Möbel und Dekorationsgegenstände passend zur Mode entworfen wurden. Poiret orientierte sich wieder an den Gewandformen des Empire und ließ sich von der orientalischen und asiatischen Mode beeinflussen. Er entwarf Mäntel im Kimonoschnitt und Kleider mit Haremshosen. Alle Kleider kamen ohne Korsett und Tournüren aus.
Insgesamt wurde die Mode zwischen der Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg zunehmend schlichter. Der Stil hing immer auch von der Gelegenheit ab. Innerhalb des Hauses wurden Morgenmäntel und leichte, bequeme Kleider getragen, Einkäufe und Besuche machte man im strengen Kostüm, am Abend trug man aufwendige Kleider mit Schleppe und Rüschen. Für den Sport oder das Fahrradfahren kamen Hosen für Frauen auf. In den Jahren vor und im Krieg wurden die Kleider schmäler und kürzer. Man zeigte nicht nur Fuß, sondern auch Wade. Während des Krieges orientierten sich die Schnitte an den Uniformen der Männer. Auch die Rohstoffknappheit bedingte einfachere Kleider.
Bei den Männer setzten sich die Sakkos mit drei- oder vierknöpfiger Leiste allmählich gegen den Gehrrock durch, bei denen die Taschen und Brusttaschen waren aufgesetzt. Das Sakko fiel locker und gab dem Mann genügende Bewegungsfreiheit. Die Krägen waren dennoch noch steif und hochgestellt. Als Gesellschaftskleidung war der Frack nach wie vor vorgeschrieben.
Die politische und soziale Situation veränderte sich nach dem Ersten Weltkrieg vollkommen. Die Abdankung des Kaisers und die Weimarer Republik schufen neue gesellschaftliche Strukturen. Viele Frauen waren aufgrund der Abwesenheit der Männer zur Selbstständigkeit gezwungen worden und wollten diese auch nach dem Kriegsende nicht mehr aufgeben. Neben den etablierten Frauenberufen im Dienstleistungsbereich vom Hausmädchen bis zur Näherin waren nun viele Frauen im Büro beschäftigt. Frauen studierten, trieben in ihrer Freizeit Sport oder fuhren mit dem Auto.
Die Mode kam diesen Veränderungen entgegen und griff die Tendenzen der Vorkriegszeit auf. Die neue Sachlichkeit erlebte auch in der Mode ihren endgültigen Durchbruch. Komplizierte Schnitte, Stoffmassen und üppige Verzierungen verschwanden. Die Kleidung erlaubte mehr Bewegungsfreiheit. Die Röcke wurden kürzer, bis sie nur noch das Knie bedeckten. Auch wenn sie in den 30er Jahren wieder länger wurden, so waren bodenlange Röcke doch für immer vorbei. Die Kleider hingen lose am Körper herunter und betonten weder Taille, Hüfte noch Busen. Die knabenhafte Figur mit einem flachen Busen war Schönheitsideal. Scheinbar schnürten keine Korsetts den weiblichen Körper ein, doch war ein knabenhafter Körper oft nur mit einem Korsett zu erreichen.
Wenn in der Vorkriegszeit zweiteilige Kleider modern waren, dominierten nun einteilige. Die Taille rutschte immer tiefer bis zur Hüfte. Sie bildete den Übergang zu einem glockigen oder zipfeligen Rock, der höchstens bis zur Wadenmitte reichte. Ein Gegengewicht zur schlichten Kleidung waren die oftmals aufwendigen Ärmel. Diese Mode verlangte nach weichen, fließenden Stoffen. Jersey wurde von Coco Chanel modefähig gemacht, Strickstoffe und Kunstfasern kamen langsam auf. Die Abendkleider zeigten vor allem mehr Dekolleté und waren mit Gold- oder Silberlamé oder Pailletten verziert. Die meisten Frauen trugen wieder kurze Haare, der Bubikopf wurde modern. In dieser Zeit wurde das Make-Up modern. Noch um die Jahrhundertwende galt es als verpönt. Nun aber gehörte es zum Alltag sich zu schminken und Augen und Mund stark zu betonen.
In den 20er Jahren demokratisierte sich der Modemarkt weiter. Durch die Konfektionskleidung wurde die Mode in allen Preisklassen angeboten. Auch die einfachen Schnitte trugen dazu bei, dass viele Frauen sich modische Kleidung selbst fertigen konnten.
Gegen Ende der 20er Jahre verschwand der sportliche Schnitt und die knabenhaften Linien. Die weiblichen Formen wurden nun stärker betont. Die Taille wanderte ein Stück nach oben und die Rocklänge fiel wieder bis zur Wade. Die Kleider blieben jedoch körperbetont und die längeren, schmalen Röcke bewirkten eine Betonung der Beinlänge. Die Oberteile lagen enger an und die Ärmel waren schmal. Hierzu passend wurden die Haare länger. Das beliebteste Kleid dieser Zeit war das Prinzesskleid, ein durchgehend geschnittenes, durch Längsnähte in Form gebrachtes Kleid. Um einen schönen Fall zu erhalten, wurden die Stoffe diagonal zum Fadenverlauf geschnitten. Am Tag war es hochgeschnitten, als Abendkleid jedoch verführerisch dekolletiert. Gegen Ende der 30er Jahre wurde die Rocklänge abermals kürzer und die Schulterpartie mit Polsterungen stark betont.
Der im Laufe des Zweiten Weltkrieges zunehmende Materialmangel führte dazu, dass die Kleider strenger, kürzer und enger wurden. Die Frauen improvisieren. Mit Phantasie wurden alte Kleider und Hüte umgewandelt. Materialien wie Sackleinen oder Fallschirmseide wurden in modische Kleidung verwandelt.
Wenn auch die ersten Jahre nach dem Krieg bis zur Währungsreform von der Mangelwirtschaft geprägt waren, verstanden es doch viele Frauen aus alten Stoffen neue modische Kleidung zu fertigen. Nach dem Krieg wurden die Uniformen aufgetrennt und daraus zivile Kleidungsstücke gefertigt. Die Fahnen, die in jedem Haushalt vorhanden waren, wurden als Stoff für Blusen und Röcke verwendet. Nach der Währungsreform und den ersten Jahren des Wiederaufbaus, bestimmten zunehmend konservative Werte die Gesellschaft. Erneut wurde versuchte, die Frau, die im Krieg „ihren Mann gestanden hatte" zurück in den häuslichen Bereich zu drängen. Die Menschen der Nachkriegszeit wollten die Erinnerungen an die entbehrungsreichen Kriegsjahre möglichst schnell vergessen und das Leben genießen.
Es ist wohl auch kein Zufall, dass die Nachkriegsmode eine Vielzahl von Elementen der Mode des 19. Jahrhunderts aufweist. Die eng geschnürte Taille, die langen weiten Röcke mit einer Vielzahl von Unterröcken und die schmalen Schultern sind wieder Kennzeichen der Mode.
In den 50er Jahren übernahmen Männer die Federführung in der Haute Couture. Während es in den 30er Jahren vor allem Frauen wie Coco Chanel, Elsa Schiaparalli oder Mme Grès gewesen waren, bestimmten nun Christian Dior, Yves Saint Laurent, Pierre Balmain oder Hubert de Givenchy die Modetrends. Es konnten sich zwar nicht viele die Kleider dieser Modeschöpfer leisten, doch die Konfektionsmode übernahm die Trends und brachten Kleider auch für den kleinen Geldbeutel auf den Markt. Zeitschriften wie „Burda" sorgten mit ihren abgedruckten Schnittmustern dafür, dass die praktische Hausfrau ihre Garderobe auch selbst schneidern konnte.
Die Mode veränderte das Erscheinungsbild der Frauen wieder grundlegend. Die Röcke wurden wadenlang und extrem weit oder sehr eng. Die Oberteile lagen eng an und die Taille wurde betont, z.B. mit breiten Gürteln. Hervorgehoben wurden Busen, Po und Hüften der Frau. Wer nicht die idealen weiblichen Formen besaß, modellierte sie mit Miedern oder Polstern. Die Schultern, die noch in den ersten Jahren nach dem Krieg dominant waren, wurden wieder schmal und leicht abfallend. Die Frisuren waren zwar kurz, aber das Haar umschloss in großen Wellen weich den Kopf. Das Ideal war wieder die elegante Dame, die perfekt gekleidet war. Alles war sorgfältig auf einander abgestimmt Handschuhe, Handtasche, Hüte und Schuhe waren in Farbe und Form zur Garderobe passend ausgewählt. Neben dem Kleid wurden Kostüme wieder getragen.
In dieser Zeit kamen zahlreiche neue Synthetikstoffe auf den Markt. Perlonkleider mit Petticoat für die Mädchen, Nylonhemden für den Mann und Kunstseide für die Frauen. Diese Stoffe ließen sich leicht waschen, trockneten schnell und machten das Bügeln leicht überflüssig.
Die Herrenanzüge änderten ihr Erscheinungsbild kaum, in den 50er Jahren kamen zum strengen Anzug jedoch immer mehr Kombinationen auf.
In den folgenden Jahrzehnten wandelte sich die Mode immer rascher, wobei die Formen seit der Minimode immer freier wurden. Heute scheinen viele Formen vom langen Rock bis zum Mini nebeneinander zu existieren. Jedoch hat die Hose, besonders die Jeans, einen festen Platz bei nahezu allen gesellschaftlichen Anlässen erobert.
Literatur:
